Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Kapitel 25
Nihilismus. Er ist zweideutig:
A. Nihilismus als Zeichen der gesteigerten Macht des Geistes: der
aktive Nihilismus.
B. Nihilismus als Niedergang und Rückgang der Macht des Geistes:
der passive Nihilismus.
26.
Der Nihilismus ein normaler Zustand.
Er kann ein Zeichen von Stärke sein, die Kraft des Geistes kann so
angewachsen sein, daß ihr die bisherigen Ziele („Überzeugungen“, Glaubensartikel) unangemessen sind (– ein Glaube nämlich drückt im allgemeinen den Zwang von Existenzbedingungen aus, eine Unterwerfung unter die Autorität von Verhältnissen, unter denen ein Wesen gedeiht, wächst, Macht gewinnt....); andrerseits ein Zeichen von nicht genügender Stärke, um produktiv sich nun auch wieder ein Ziel, ein Warum, einen Glauben zu setzen.
Sein Maximum von relativer Kraft erreicht er als gewalttätige Kraft der
Zerstörung: als aktiver Nihilismus.
Sein Gegensatz wäre der müde Nihilismus, der nicht mehr angreift: seine
berühmteste Form der Buddhismus: als passivischer Nihilismus, als ein Zeichen von Schwäche: die Kraft des Geistes kann ermüdet, erschöpft sein, so daß die bisherigen Ziele und Werte unangemessen sind und keinen Glauben mehr finden –, daß die Synthesis der Werte und Ziele (auf der jede starke Kultur beruht) sich löst, so daß die einzelnen Werte sich Krieg machen: Zersetzung –, daß alles, was erquickt, heilt, beruhigt, betäubt, in den Vordergrund tritt, unter verschiedenen Verkleidungen, religiös oder moralisch, oder politisch, oder ästhetisch usw.