Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Friedrich Nietzsche · Kapitel 211 von 256

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Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Kapitel 638

 

Die zwei Wege. – Es kommt ein Zeitpunkt, wo der Mensch Kraft im

Überfluß zu Diensten hat: die Wissenschaft ist darauf aus, diese Sklaverei der Natur herbeizuführen.

Dann bekommt der Mensch Muße: sich selbst auszubilden zu etwas Neuem,

Höherem. Neue Aristokratie. Dann werden eine Menge Tugenden überlebt, die jetzt Existenzbedingungen waren. – Eigenschaften nicht mehr nötig haben, folglich sie verlieren. Wir haben die Tugenden nicht mehr nötig: folglich verlieren wir sie (– sowohl die Moral vom „Eins ist not“, vom Heil der Seele, wie der Unsterblichkeit: sie waren Mittel, um dem Menschen eine ungeheure Selbstbezwingung zu ermöglichen, durch den Affekt einer ungeheuren Furcht : : :).

Die verschiedenen Arten Not, durch deren Zucht der Mensch geformt ist: Not

lehrt arbeiten, denken, sich zügeln.

Die physiologische Reinigung und Verstärkung. Die neue Aristokratie hat

einen Gegensatz nötig, gegen den sie ankämpft: sie muß eine furchtbare Dringlichkeit haben, sich zu erhalten.

Die zwei Zukünfte der Menschheit: 1. die Konsequenz der

Vermittelmäßigung; 2. das bewußte Abheben, Sich-Gestalten.

Eine Lehre, die eine Kluft schafft: sie erhält die oberste und die niedrigste

Art (sie zerstört die mittlere).

Die bisherigen Aristokraten, geistliche und weltliche, beweisen nichts gegen

die Notwendigkeit einer neuen Aristokratie.