Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Kapitel 276
Gegen den Positivismus, welcher bei den Phänomenen stehen bleibt, „es gibt
nur Tatsachen“, würde ich sagen: nein, gerade Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen. Wir können kein Faktum „an sich“ feststellen: vielleicht ist es ein Unsinn, so etwas zu wollen.
„Es ist alles subjektiv“, sagt ihr: aber schon das ist Auslegung. Das
„Subjekt“ ist nichts Gegebenes, sondern etwas Hinzuerdichtetes, Dahintergestecktes. – Ist es zuletzt nötig, den Interpreten noch hinter die Interpretation zu setzen? Schon das ist Dichtung, Hypothese.
Soweit überhaupt das Wort „Erkenntnis“ Sinn hat, ist die Welt erkennbar: aber
sie ist anders deutbar, sie hat keinen Sinn hinter sich, sondern unzählige Sinne. – „Perspektivismus“.
Unsere Bedürfnisse sind es, die die Welt auslegen; unsere Triebe und deren
Für und Wider. Jeder Trieb ist eine Art Herrschsucht, jeder hat seine Perspektive, welche er als Norm allen übrigen Trieben aufzwingen möchte.