Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Friedrich Nietzsche · Kapitel 16 von 256

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Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Kapitel 14

 

Das langsame Hervortreten und Emporkommen der mittleren und niederen

Stände (eingerechnet der niederen Art Geist und Leib), welches schon vor der französischen Revolution reichlich präludiert und ohne Revolution ebenfalls seinen Weg vorwärts gemacht hätte, – im Ganzen also das Übergewicht der Herde über alle Hirten und Leithämmel – bringt mit sich

1. Verdüsterung des Geistes (– das Beieinander eines stoischen und frivolen

Anscheins von Glück, wie es vornehmen Kulturen eigen ist, nimmt ab; man läßt viele Leiden sehen und hören, welche man früher ertrug und verbarg);

2. die moralische Hypokrisie (eine Art, sich durch Moral auszeichnen zu

wollen, aber durch die Herden-Tugenden: Mitleid, Fürsorge, Mäßigung, welche nicht außer dem Herden-Vermögen erkannt und gewürdigt werden);

3. eine wirkliche große Menge von Mitleiden und Mitfreude (das

Wohlgefallen im großen Beieinander, wie es alle Herdentiere haben – „Gemeinsinn“, „Vaterland“, alles, wo das Individuum nicht in Betracht kommt).