Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Kapitel 654
– Und wie viele neue Götter sind noch möglich! Mir selber, in dem der
religiöse, das heißt gottbildende, Instinkt mitunter zur Unzeit lebendig wird: wie anders, wie verschieden hat sich mir jedesmal das Göttliche offenbart!... So vieles Seltsame ging schon an mir vorüber in jenen zeitlosen Augenblicken, die ins Leben herein wie aus dem Monde fallen, wo man schlechterdings nicht mehr weiß, wie alt man schon ist und wie jung man noch sein wird.... Ich würde nicht zweifeln, daß es viele Arten Götter gibt.... Es fehlt nicht an solchen, aus denen man einen gewissen Halkyonismus und Leichtsinn nicht hinwegdenken darf.... Die leichten Füße gehören vielleicht selbst zum Begriff „Gott“.... Ist es nötig, auszuführen, daß ein Gott sich mit Vorliebe jenseits alles Biedermännischen und Vernunftgemäßen zu halten weiß? jenseits auch, unter uns gesagt, von Gut und Böse? Er hat die Aussicht frei, – mit Goethe zu reden. – Und um für diesen Fall die nicht genug zu schätzende Autorität Zarathustras anzurufen: Zarathustra geht so weit, von sich zu bezeugen, „ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde“....
Nochmals gesagt: wie viele neue Götter sind noch möglich! – Zarathustra selbst
freilich ist bloß ein alter Atheist: der glaubt weder an alte noch neue Götter. Zarathustra sagt, er würde –; aber Zarathustra wird nicht.... Man verstehe ihn recht.
Typus Gottes nach dem Typus der schöpferischen Geister, der „großen
Menschen“.