Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Kapitel 37
Ursachen für die Heraufkunft des Pessimismus: 1. daß die mächtigsten und zukunftsvollsten Triebe des Lebens bisher
verleumdet sind, so daß das Leben einen Fluch über sich hat;
2. daß die wachsende Tapferkeit und Redlichkeit und das kühnere Mißtrauen
des Menschen die Unablösbarkeit dieser Instinkte vom Leben begreift und dem Leben sich entgegenwendet;
3. daß nur die Mittelmäßigsten, die jenen Konflikt gar nicht fühlen,
gedeihen, die höhere Art mißrät und als Gebilde der Entartung gegen sich einnimmt, – daß andererseits das Mittelmäßige, sich als Ziel und Sinn gebend, indigniert (– daß niemand ein Wozu? mehr beantworten kann –);
4. daß die Verkleinerung, die Schmerzfähigkeit, die Unruhe, die Hast, das
Gewimmel beständig zunimmt, – daß die Vergegenwärtigung dieses ganzen Treibens, der sogenannten „Zivilisation“, immer leichter wird, daß der einzelne angesichts dieser ungeheuren Maschinerie verzagt und sich unterwirft.