Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Friedrich Nietzsche · Kapitel 22 von 256

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Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Kapitel 20

 

Überarbeitung, Neugierde und Mitgefühl – unsere modernen Laster.

21.

 

Wohin gehört unsre moderne Welt: in die Erschöpfung oder in den Aufgang? –

Ihre Vielheit und Unruhe bedingt durch die höchste Form des Bewußtwerdens.

22.

 

Die Deutschen sind noch nichts, aber sie werden etwas; also haben sie noch

keine Kultur, – also können sie noch keine Kultur haben! Das ist mein Satz: mag sich daran stoßen, wer es muß. – Sie sind noch nichts: das heißt, sie sind allerlei. Sie werden etwas: das heißt, sie hören einmal auf, allerlei zu sein. Das letzte ist im Grunde nur ein Wunsch, kaum noch eine Hoffnung; glücklicherweise ein Wunsch, auf dem man leben kann, eine Sache des Willens, der Arbeit, der Zucht, der Züchtung so gut, als eine Sache des Unwillens, des Verlangens, der Entbehrung, des Unbehagens, ja der Erbitterung, – kurz, wir Deutschen wollen etwas von uns, was man von uns noch nicht wollte – wir wollen etwas mehr!

Daß diesem „Deutschen, wie er noch nicht ist“ – etwas Besseres zukommt, als

die heutige deutsche „Bildung“; daß alle „Werdenden“ ergrimmt sein müssen, wo sie eine Zufriedenheit auf diesem Bereiche, ein dreistes „Sich-zur-Ruhe-setzen“ oder „Sich-selbst-anräuchern“ wahrnehmen: das ist mein zweiter Satz, über den ich auch noch nicht umgelernt habe.