Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Friedrich Nietzsche · Kapitel 78 von 256

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Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Kapitel 272

 

Die Wertschätzung, „ich glaube, daß das und das so ist“ als Wesen der

„Wahrheit“. In den Wertschätzungen drücken sich Erhaltungs- und Wachstumsbedingungen aus. Alle unsre Erkenntnisorgane und Sinne sind nur entwickelt in Hinsicht auf Erhaltungs- und Wachstumsbedingungen. Das Vertrauen zur Vernunft und ihren Kategorien, zur Dialektik, also die Wertschätzung der Logik, beweist nur die durch Erfahrung bewiesene Nützlichkeit derselben für das Leben: nicht deren „Wahrheit“.

Daß eine Menge Glauben da sein muß; daß geurteilt werden darf; daß der

Zweifel in Hinsicht auf alle wesentlichen Werte fehlt: – das ist Voraussetzung alles Lebendigen und seines Lebens. Also daß etwas für wahr gehalten werden muß, ist notwendig, – nicht, daß etwas wahr ist.

„Die wahre und die scheinbare Welt“ – dieser Gegensatz wird von mir

zurückgeführt auf Wertverhältnisse. Wir haben unsere Erhaltungsbedingungen projiziert als Prädikate des Seins überhaupt. Daß wir in unserm Glauben stabil sein müssen, um zu gedeihen, daraus haben wir gemacht, daß die „wahre“ Welt keine wandelbare und werdende, sondern eine seiende ist.