Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Kapitel 31
Der philosophische Nihilist ist der Überzeugung, daß alles Geschehen sinnlos
und umsonstig ist; und es sollte kein sinnloses und umsonstiges Sein geben. Aber woher dieses: Es sollte nicht? Aber woher nimmt man diesen „Sinn“, dieses Maß? – Der Nihilist meint im Grunde, der Hinblick auf ein solches ödes, nutzloses Sein wirke auf einen Philosophen unbefriedigend, öde, verzweifelt. Eine solche Einsicht widerspricht unserer feineren Sensibilität als Philosophen. Es läuft auf die absurde Wertung hinaus: der Charakter des Daseins müßte dem Philosophen Vergnügen machen, wenn anders es zu Recht bestehen soll....
Nun ist leicht zu begreifen, daß Vergnügen und Unlust innerhalb des
Geschehens nur den Sinn von Mitteln haben können: es bliebe übrig, zu fragen, ob wir den „Sinn“, „Zweck“ überhaupt sehen könnten, ob nicht die Frage der Sinnlosigkeit oder ihres Gegenteils für uns unlösbar ist. –