Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Friedrich Nietzsche · Kapitel 13 von 256

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Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Kapitel 11

 

Kritik des modernen Menschen: – „der gute Mensch“, nur verdorben und

verführt durch schlechte Institutionen (Tyrannen und Priester); – die Vernunft als Autorität; – die Geschichte als Überwindung von Irrtümern; – die Zukunft als Fortschritt; – der christliche Staat („der Gott der Heerscharen“); – der christliche Geschlechtsbetrieb (oder die Ehe); – das Reich der „Gerechtigkeit“ (der Kultus der „Menschheit“); – die „Freiheit“.

Die romantische Attitüde des modernen Menschen: – der edle Mensch

(Byron, Victor Hugo, George Sand); – die edle Entrüstung; – die Heiligung durch die Leidenschaft (als wahre „Natur“); – die Parteinahme für die Unterdrückten und Schlechtweggekommenen: Motto der Historiker und Romanziers; – die Stoiker der Pflicht; – die „Selbstlosigkeit“ als Kunst und Erkenntnis; – der Altruismus als verlogenste Form des Egoismus (Utilitarismus), gefühlsamster Egoismus.

Dies alles ist achtzehntes Jahrhundert. Was dagegen nicht sich aus ihm vererbt

hat: die insouciance, die Heiterkeit, die Eleganz, die geistige Helligkeit. Das Tempo des Geistes hat sich verändert; der Genuß an der geistigen Feinheit und Klarheit ist dem Genuß an der Farbe, Harmonie, Masse, Realität usw. gewichen. Sensualismus im Geistigen. Kurz, es ist das achtzehnte Jahrhundert Rousseaus.