Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Kapitel 529
Die Kunst erinnert uns an Zustände des animalischen vigor; sie ist einmal ein
Überschuß und Ausströmen von blühender Leiblichkeit in die Welt der Bilder und Wünsche; andrerseits eine Anreizung der animalischen Funktionen durch Bilder und Wünsche des gesteigerten Lebens; – eine Erhöhung des Lebensgefühls, ein Stimulans desselben.
Inwiefern kann auch das Häßliche noch diese Gewalt haben? Insofern es noch
von der siegreichen Energie des Künstlers etwas mitteilt, der über dies Häßliche und Furchtbare Herr geworden ist; oder insofern es die Lust der Grausamkeit in uns leise anregt (unter Umständen selbst die Lust, uns wehe zu tun, die Selbstvergewaltigung: und damit das Gefühl der Macht über uns).