Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens
Kapitel 578
Wo man die stärkeren Naturen zu suchen hat. – Das Zugrundegehen und
Entarten der solitären Spezies ist viel größer und furchtbarer: sie haben die Instinkte der Herde, die Tradition der Werte gegen sich; ihre Werkzeuge zur Verteidigung, ihre Schutzinstinkte sind von vornherein nicht stark, nicht sicher genug, – es gehört viel Gunst des Zufalls dazu, daß sie gedeihen (– sie gedeihen in den niedrigsten und gesellschaftlich preisgegebensten Elementen am häufigsten; wenn man nach Person sucht, dort findet man sie um wieviel sicherer als in den mittleren Klassen!).
Der Stände- und Klassenkampf, der auf „Gleichheit der Rechte“ abzielt, – ist er
ungefähr erledigt, so geht der Kampf los gegen die Solitärperson. (In einem gewissen Sinne kann dieselbe sich am leichtesten in einer demokratischen Gesellschaft erhalten und entwickeln: dann, wenn die gröberen Verteidigungsmittel nicht mehr nötig sind und eine gewisse Gewöhnung an Ordnung, Redlichkeit, Gerechtigkeit, Vertrauen zu den Durchschnittsbedingungen gehört.)
Die Stärksten müssen am festesten gebunden, beaufsichtigt, in Ketten gelegt
und überwacht werden: so will es der Instinkt der Herde. Für sie ein Regime der Selbstüberwältigung, des asketischen Abseits oder der „Pflicht“ in abnützender Arbeit, bei der man nicht mehr zu sich selber kommt.