Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Friedrich Nietzsche · Kapitel 240 von 256

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Der Wille zur Macht: Eine Auslegung alles Geschehens

Kapitel 673

 

Summa : die Herrschaft über die Leidenschaften, nicht deren Schwächung

oder Ausrottung! – Je größer die Herrenkraft des Willens ist, um soviel mehr Freiheit darf den Leidenschaften gegeben werden.

Der „große Mensch“ ist groß durch den Freiheitsspielraum seiner Begierden

und durch die noch größere Macht, welche diese prachtvollen Untiere in Dienst zu nehmen weiß.

Der „gute Mensch“ ist auf jeder Stufe der Zivilisation der Ungefährliche und

Nützliche zugleich: eine Art Mitte; der Ausdruck im gemeinen Bewußtsein davon, vor wem man sich nicht zu fürchten hat, und wen man trotzdem nicht verachten darf.

Erziehung: wesentlich das Mittel, die Ausnahme zu ruinieren zugunsten der

Regel. Bildung: wesentlich das Mittel, den Geschmack gegen die Ausnahme zu richten zugunsten des Mittleren.

Erst wenn eine Kultur über einen Überschuß von Kräften zu gebieten hat, kann

sie auch ein Treibhaus für den Luxuskultus der Ausnahme, des Versuchs, der Gefahr, der Nuance sein: – jede aristokratische Kultur tendiert dahin.