Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel LII
möchten. Hiernach ward nun der gute Gedanke laut, daß die Vögel sich gar wohl
zu Ihnen bewegen könnten. Ein Jagdfreund übernahm die Besorgung und nun
kommen sie, begleitet von den besten Wünschen zum neuen Jahr und in
Hoffnung, daß Sie solche gleichfalls mit Freunden theilnehmend, und unsrer
eingedenk genießen werden.
Weimar d. 18. Januar
1826.
treulichst
J W Goethe
[289] Vgl. S. 352.
LII.
Ja wohl, mein Theuerster, war der freundliche Besuch den Sie uns gönnten ein
schöner Beweis daß wir uns im Lebensgange an einander nicht geirrt haben; es
zeigte sich daß wir, wenn gleich in einiger Entfernung, parallel nebeneinander
fortgingen und, beym Wiederzusammentreffen, keiner am andern etwas Fremdes
empfand; es war Ihnen bey mir behaglich, eben so mußt es wechselseitig seyn.
Sie konnten der Freund meiner Freunde werden, es ergab sich alles ganz
natürlich, ohne daß irgend etwas wäre auszugleichen gewesen, und so mußten
wir wünschen Sie hätten noch einige Tage verweilt. Schwiegertochter und
Kinder waren wiedergekommen; Herr Rauch traf ein[290] und wir hätten Sie
herzlich gern an den guten Stunden des Wiedersehens und heitern Empfangs
auch Ihren genugsamen Theil nehmen lassen. Auch hätte ich der guten Ottilie so
gern einen Musickliebenden Gast entgegengeführt.
Hier nun will ich schließen, mit dem treusten Dank für Ihr werthes baldiges
Schreiben, mit reinen Wünschen und Grüßen an die theure Ihrige und mit
Ankündigung einer Rolle, deren Inhalt wir einen geneigten Empfang erbitten.
Weimar
den 3. Juli
1829.
und so fortan!
J W Goethe