Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel XLVII
J W Goethe.
[277] Umrisse eines Gemäldes von Rom in den Jahren 60-44 v. Chr. Auswahl Th. IV.
[278] Werke XXXII. S. 276. XXVII. S. 387.
[279] Vgl. S. 327.
[280] Das gleich erwähnte Lied in Kunst und Alterth. III. 3. S. 170.
[281] Vgl. Briefw. m. Zelter II. S. 453 f. III. S. 82. Werke XXXII. S. 341. 354.
XLVII.
Ew. Wohlgeb.
haben durch Ihr werthes Schreiben mir Hoffnung und Wunsch erfüllt, denn da
ich selbst nicht sonderlich mehr mobil bin, so kann mir nichts erfreulicher seyn
als wenn Freunde, deren Denkart und Gesinnung ich kenne, von ihren
Reisebemerkungen Urtheilen und Gefühlen vertrauliche Mittheilung schenken,
und so hab ich denn auch mit großem Vergnügen gesehen daß Sie genug Gutes
und Löbliches von Wien und den dortigen Zuständen zu sagen wißen.
Auch ich war dieses Jahr wieder in Böhmen, fand meine alten Freunde und
Neigungen wieder gewann neue dazu und fühlte mich in diesem Kreise sehr
behaglich; auch nahm ich Theil an dem neueinzurichtenden Prager Museum und
denke das nächste Jahr an die Fortsetzung einer längst gewohnten Lebensweise.
Betrübt haben mich deswegen Ihre Worte: „dazu nun das Volk, ich meyne die
große Masse, in seinem Wohlstande, (Böhmen abgerechnet, das es nicht besser
haben will, als es hat, und es besser zu haben schwerlich werth ist)“. Ich weiß
recht gut daß dort nicht alles ist wie es seyn sollte; aber Ihre Worte scheinen mir
doch zu hart und zu hauptstädtisch; ich darf Sie daher wohl bitten sich näher zu
erklären und mir dadurch Anlaß zu geben bey meiner Rückkehr in jene
Gegenden besser aufzumerken und da ich meine Neigung nicht wohl aufgeben
kann, doch ohne allzu entschiedenes Vorurtheil meine Liebschaften prüfen zu
können.
Von Paulus und Johannes wünschte doch auch nähere Schilderung.
Möge Ihnen alles Gute gegönnt und verliehen seyn! Das erste säuberliche
Exemplar das mir vom Buchbinder zukommt erhalten Sie sogleich, ich darf es
Ihrer herkömmlichen, mir so werthen Theilnahme nicht erst umständlich
empfehlen.