Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 35 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

10. Die Freuden.

 

Da flattert um die Quelle

Die wechselnde Libelle,

Der Wasserpapillon,

Bald dunkel und bald helle,

Wie ein Cameleon;

Bald roth und blau, bald blau und grün.

O daß ich in der Nähe

Doch seine Farben sähe!

 

Da fliegt der Kleine vor mir hin

Und setzt sich auf die stillen Weiden.

Da hab ich ihn!

Und nun betracht ich ihn genau,

Und seh ein traurig dunkles blau.

So geht es dir Zergliedrer deiner Freuden!

 

10, 11. Da hab ich ihn! Da hab ich ihn!

 

11. Amors Grab.

 

Nach dem Französischen.

 

Weint, Mädgen! hier bey Amors Grabe, hier

Sank er von nichts, von ohngefähr darnieder.

Doch ist er wirklich todt? Ich schwöre nicht dafür.

Ein Nichts, ein Ohngefähr erweckt ihn öfters wieder.

 

11, 4. Von nichts, von ohngefähr erwacht er öfters wieder.

 

12. Liebe und Tugend.

 

Wenn einem Mädgen das uns liebt,

Die Mutter strenge Lehren giebt,

Von Tugend, Keuschheit und von Pflicht,

Und unser Mädgen folgt ihr nicht,