Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel LI
Rechtes, nicht von dem Äquivalent einer Arbeit die Rede seyn kann. Also
nochmals aufrichtigen Dank, daß Sie mir ein unmittelbares Mißgefühl, worauf es
insolchen Fällen meistens hinauszugehen pflegt, ersparen wollen.
Ich bedinge mir also funfzig vollwichtige Ducaten, wie man sie im
Österreichischen ohne Widerrede annimmt, sogleich durch die fahrende Post
gesendet; auch in der Folge 24 Exemplare gutes Papiers, einige hübsch
gebunden, wie man es in Leipzig versteht und ausübt. Wollte man Titel und
Gedicht alsobald abdrucken und mir den Bogen zur Durchsicht schicken, so
würde es angenehm seyn.
Wäre dies nicht, so hätten Sie wohl die Güte eine Revision zu übernehmen,
damit der poetischen Sorgfalt ihr Recht wiederfahre.
Daß Ihr neuster Band glückliche Wirkung thun würde, schloß ich aus dem was
bey mir erregt worden. Nächstens übersende das neuste Heft Kunst u. Alterth.
und bitte mit einem naiven Zeugniß meiner treulichen Theilnahme geneigt
vorlieb zu nehmen.[288] Bey mir geht es immer etwas rascher zu als ich wohl
wünschen möchte, doch wird sich zunächst auch wohl nachkommen laßen.
Weimar
den 22. May
1824.
und so ferner
treulichst
Goethe
[288] Vgl. S. 358.
LI.
Wenn Sie, mein theurer, vielgeprüfter Freund, räthselhaft finden sollten daß
mit dem Gegenwärtigen einige Fasanen anlangen; so gehört folgende Auflösung
dazu.
Eine Gesellschaft von Musikfreunden, nachdem sie sich einen Abend
mannigfaltig ergötzt hatte, gedachte, beym frohen Mahl, daß man Ihnen den
größten Theil dieses Vergnügens schuldig sey, indem Sie uns mit einem so
trefflichen, sich immer wohlhaltenden Instrumente versehen;[289] man trank Ihre Gesundheit und wünschte daß Sie von den guten Jagdbissen mitgenießen