Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel XVI
Für die Besorgung der Bände gleichfalls meinen aufrichtigen und lebhaften
Dank. Hierbey einen Brief an Herrn Hofrath Kapp. Der Geldbetrag folgt mit der
fahrenden Post. Heute nichts weiter als meine besten Wünsche.
Antigone ist auf den 30. angesetzt. Leider füllt sie nicht den ganzen Abend
und ich muß eine kleine Operette hinter her geben. Bis jetzt weiß und vermuthet
noch Niemand den Autor.
Weimar
den 22 Januar 1809.
Goethe
XVI.
Ew. Wohlgebornen
erhalten hierbei die 9 Thaler Sächß. Sollte noch irgend eine Auslage sich
nöthig gemacht haben, so bitte mir es zu melden.
Von Antigone habe ich die Leseprobe und eine Theaterprobe gehört. Sie wird
gut gesprochen und anständig gespielt. Mir macht es sehr große Freude diesen
herrlichen sophocleischen Schatz in einer Art von Auszug zu sehen und zu
vernehmen. Heute Abend ist Hauptprobe; morgen Aufführung. Das was wir in
unsern Tagen Effect nennen kann das Stück nicht machen; aber ich glaube doch
es wird sich in den Kreis der ruhig edlen Darstellungen, die wir von Zeit zu Zeit
vortragen, mit einschließen und sich erhalten. Mehreres nächstens
Weimar
den 29 Januar 1809.
Goethe
XVII.
Weimar den 1 Februar 1809.
Nur mit Wenigem sage ich, daß Antigone Mondtag den 30sten glücklich
aufgeführt worden.[239] Der Effect war, den ich voraussah. Das Stück hinterließ
einen sehr angenehmen erfreulichen Eindruck. Jedermann war zufrieden und
halb erstaunt, indem man von dieser Klarheit und Einfalt kaum etwas kennt. Die verständliche Sprache brachte hiebey den größten Vortheil. Die Schauspieler