Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 64 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel X

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diesen Winter.

Weimar

d. 21. Sept. 1807.

 

Goethe

 

[233] Mad. Wolf sprach einen Epilog von Mahlmann. Vgl. 295.

[234] Am 5. Juli wurde Mehuls „Je toller je besser“ gegeben und zum Schluß ein

„Lebewohl“ gesungen. Dann ging die Gesellschaft nach Lauchstädt und eröffnete am 4. August wieder ihre Vorstellungen in Leipzig, welche am 29. August beschlossen wurden.

[235] Eine Kritik in Goethes Sinne wurde in der Bibliothek der redenden und bildenden

Künste III. und IV. ausgesprochen. Die „niederträchtige, detractive Opposition,“ welche früher von Berlin aus erfahren zu haben Goethe sich beschwert (Briefw. m. Zelter I. S. 281) machte sich in einer kleinen Schrift Luft: „Saat von Goethe gesäet dem Tage der Garben zu reifen. Ein Handbuch für Ästhetiker und junge Schauspieler.“ Weimar und Leipzig 1808. Man vergleiche damit, wie Goethe und Schiller über die frühere Leipziger Gesellschaft urtheilen, Briefw. mit Schiller V. S. 273 f., mit Körner IV. S. 232 f.

[236] Vgl. S. 44.

 

X.

 

Wenn ich Ew. Wohlgebornen auf Ihr früheres Schreiben nicht antwortete und

das Stück nicht zur Aufführung brachte, so waren die Zweifel daran Schuld, die

bey mir aufstiegen und welche sie gewissermaßen selbst angeregt hatten. Wenn

das Stück seine Wirkung thun soll, so gehört nothwendig ein Mann in Jahren

dazu, den man gewöhnlich den zärtlichen Alten nennt, den man aber eigentlich

den würdigen Alten nennen sollte. Er muß Zutrauen und Neigung erregen und in

seiner Art liebenswürdig seyn, in dem Grade daß, wie bey Ihrer Privataufführung

der Fall war, wenn ihm die Actrice den Korb giebt, eine Zuschauerinn allenfalls

geneigt wäre ihn zu entschädigen. Ich glaube nicht, daß einer unsrer

Schauspieler sich anmaßt diese Wirkung völlig rein hervorzubringen, ob sie sich

gleich auch in unserm Verhältniß bis auf einen gewissen Grad denken läßt. Ich

habe daher das Stück das nunmehr gedruckt ist einigen Personen zu lesen

gegeben, und werde es Herrn Becker zustellen um es mit nach Lauchstädt zu

nehmen. Ew. Wohlgeboren kommen ja wohl selbst hinüber und geben einige Anregung, daß das Stückchen nach Ihren Wünschen und Überzeugung