Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 77 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel XXVIII

 

Mit Beantwortung Ew. Wohlgeboren freundlichen Schreibens, vom 29 July

komme leider erst nach dem Feste. Hätte ich gleich im Frühjahr die Aufträge,

wie ich sie zu geben gedachte niedergeschrieben, so würden Ew. Wohlgeb.

solche entweder selbst oder durch einen Freund, gewiß zu meiner Zufriedenheit

haben ausrichten lassen. Nun aber hielt mich meine Reise zu lange am Rhein

und Mayn, und in den ersten Augenblicken meines Hierseyns konnte zu keiner

Fassung gelangen, und leider entschlüpfte mir so die schönste Gelegenheit

meine Sammlung abermals mit bedeutenden Kunstwerken zu vermehren.

Nehmen Sie jedoch auch in dem gegenwärtigen Falle meinen aufrichtigen Dank

für Ihre gütigen Bemühungen, und die aufrichtige Erklärung, in welcher ich

Ihren längst erprobten Charakter aufs neue mit besonderer Rührung anerkannt.

Seyn Sie überzeugt, daß ich in ähnlichen Fällen mich vollkommen beruhigen

werde, wenn Sie, oder diejenigen denen Sie Ihr Vertrauen schenken, zu meinem

Vortheile würken mögen. Gegenwärtig aber würden Sie mir eine besondere

Gefälligkeit erweisen, wenn Sie mir einen Catalog mit beygefügten Preißen für

die Gebühr verschaffen möchten. Die Durchsicht desselben, wenn sie mir auch

hie und da vielleicht eine unangenehme Empfindung erregte, würde für mich auf

alle Fälle belehrend seyn, und ich werde Ihnen dieses, sowie so manches andere

Gute herzlich verdanken.

Mit Bitte, mich allen werthen Gönnern und Freunden angelegentlichst zu

empfehlen

Weimar

den 23. Octbr.

1815.

 

ergebenst!

Goethe

 

XXIX.

 

Ew. Wohlgeb.

 

schöne Gabe[254] ward mir schon längst und diente mir in trüben Stunden zur

angenehmsten Erheiterung, besonders gab die Schreckensgeschichte jener

Schlachttage einen bedeutenden Wink, wie man geringeren Übeln nicht

unterliegen solle, da der Mensch die größten besteht und aus ihnen oft gerettet