Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel XXXVI
Goethe
[267] Werke XXVII. S. 212. Briefw. m. Zelter I. S. 350.
[268] Werke XXVII. S. 337 f. 353.
XXXVI.
Ew. Wohlgeboren
danke nur mit wenig Worten für die gegebene Nachricht. Können Sie
gelegentlich diesen jungen Männern ohne Beschwerde einige Freundlichkeit
erzeigen, so werden Sie ein gutes Werk thun. Empfehlungsschreiben, wie sie
wohl verdienten, habe ich ihnen nicht mit gegeben. Dagegen habe einem
Stuttgarder Musikus, Namens Kocher, Sie in meinem Namen zu begrüßen
aufgetragen; er hat mir durch musikalischen Vortrag und Gespräch wirklich
Interesse abgewonnen. Mögen Sie ihm einige Aufmerksamkeit schenken und
mir Ihre Gedanken über ihn und seine Composition eröffnen da ich mir in einer
fremden Kunst wohl Antheil aber kein Urtheil erlaube.[269]
Wegen gewünschter Briefe ging mir in diesen Tagen der Gedanke bei: meinen
Freund von Knebel, in Jena, deshalb anzusprechen. Er führt seit vielen Jahren
mit allen deutschen Literatoren Correspondenz und vielleicht gewinnen wir da
einige Ausbeute.
Mit den herzlichen Wünschen
Weimar den 15 April 1819.
aufrichtig ergeben,
Goethe
[269] Vgl. S. 40.
XXXVII.
Es ist der Mühe werth gelebt zu haben wenn man sich von solchen Geistern
und Gemüthern begleitet sieht und sah; es ist eine Lust zu sterben wenn man
solche Freunde und Liebhaber hinterläßt, die unser Andenken frisch erhalten, ausbilden und fortpflanzen. Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihren