Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 82 von 106

PDF-Seiten

Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel XXXIV

kleinen bronzenen Figuren sollte sich vielleicht etwas finden, vielleicht auch

unter den getriebenen halb oder schwach erhobenen Bildern, wo nicht von alter

doch von neuer guter Kunst, sollte nicht unter den Tellern etwas von Majolika

stecken? Da diese Dinge schwerlich zu hohen Preißen weggehen, so würde man

kaum irren können

Weimar d. 27 Juny 1817.

 

G

 

XXXIV.

 

Verzeihen Sie, werthester, daß ich erst spät auf Ihre Anfrage zur Antwort

komme; ich führe jetzt ein etwas unstätes Leben, und spiele rouge et noir[265]

zwischen Weimar und Jena[266], wo es an beiden Enden zu thun giebt, zwar nicht

außer meiner Sphäre, doch auch innerhalb derselben nicht ganz erfreulich.

Haben Sie herzlichen Danck für alle Bemühung und Theilnahme, auch für

Ihre Betrachtung über mein Thun und Wesen. Das Liebste muß ich immer liegen

lassen, und für lauter Treiben und Arbeiten komme ich zu keinem Genuß, am

wenigsten zu einer Besinnung, was man erhalten, fördern, fahren lassen, oder

verbrennen soll. Wir wollen sehen wie lange wir's treiben, und was wir noch vor

uns bringen. Gönnen Sie mir Ihre Theilnahme für und für, und erhalten mir und

meinem Andenken guten Willen in Ihrem Wirkungskreise.

Das übersendete Kupfer ist leider wie Sie selbst sehen, keineswegs trostreich;

dem guten Manne der so wunderlich aus dem Blättchen heraussieht, wird das

Denken äußerst schwer, und der Beschauer kann sich einer peinlichen

Empfindung nicht erwehren. Der Fehler, den die Künstler durch Vergleichung

selbst gefunden haben, ist freilich sehr entstellend. Der Keim zu allen diesem,

lag schon im Original, das ich den wackern Boisseres übersendete, von Copie zu

Copie ist es immer schlimmer damit geworden.

Mögen Sie das mit Schonung an die guten Leute bringen, die mit so vielem

reinen Willen ihre Kunst geopfert haben, denn der Stich ist wircklich

verdienstlich. Ich selbst muß die Sache ignoriren, denn als ich hier einigen

Freunden das Blatt vorzeigte, wurde ich übel angelassen. Dieses wenige zu

sagen, finde ich in Jena gerade eine ruhige Stunde; kommen Sie in Fall mir

etwas zu schicken oder zu fragen, so senden Sie es nach Weimar, und bleiben

meiner Theilnahme und Danckbarkeit versichert.