Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 42 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Goethes Briefe an Chr. G. und J. G. E. Breitkopf.

Goethes Briefe

an

 

Chr. G. und J. G. E. Breitkopf.

 

I.[152]

 

Gebe dir Gott einen guten

Abend Bruder Gottlob.

Daß du ein rechtschaffner Mensch bist, und brav, und dich herausmachst, das

sagen mir alle Leute die von Leipzig kommen, und das freut mich höchlich, daß

du dich nicht außer zu deiner Avantage änderst, du warst von ieher ein guter

Junge, und hattest Menschenverstand, und Gedanken wie ein Mensch der eine

Sache begreifft, und Einfälle nicht wie ieder; besuche uns doch einmal, die

Mädgen sind hier sehr auf deiner Seite, ich hab ihnen so allerley von dir erzählt,

und es sind einige muntre Köpfgen unter ihnen, die meynen es wäre was mit dir

anzufangen; schreibe mir doch einmal, lieber Bruder, in was für Umständen du

ietzo bist.

Ich lebe erträglich. Vergnügt und still. Ich habe ein halb Dutzend englische

Mädgen die ich offt sehe, und binn in keine verliebt, es sind angenehme

Kreaturen, und machen mir das Leben ungemein angenehm. Wer kein Leipzig

gesehen hätte, der könnte hier recht wohl seyn; aber das Sachsen, Sachsen! Ey!

Ey! das ist starcker Toback. Man mag auch noch so gesund und starck seyn, in

dem verfluchten Leipzig, brennt man weg so geschwind wie eine schlechte

Pechfackel. Nun, nun, das arme Füchslein, wird nach und nach sich erholen.[153]

Nur eins will ich dir sagen, hüte dich ia für der Lüderlichkeit. Es geht uns

Mannsleuten mit unsern Kräfften, wie den Mädgen mit der Ehre, einmal zum

Hencker eine Jungferschafft, fort ist sie. Man kann wohl so was wieder

quacksalben, aber es wills ihm all nicht thun.