Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel XVIII
haben durchaus deutlich und richtig gesprochen, manche vortrefflich durchaus,
wo man Madam Wolff als Antigone und ihren Gatten als ersten Chorführer zu
rühmen hat, andere theilweise sehr gut, und wie gesagt, man konnte überhaupt
völlig zufrieden seyn. Heute wird es wieder gegeben und ich hoffe das Stück soll
sich immer mehr bey dem Zuschauer einschmeicheln. Über Ihre Behandlung
selbst wüßte ich auch nur Gutes zu sagen; daß sie zweckmäßig sey, hat die
Ausführung bewiesen. Etwas von der angegebenen Musik habe ich weggelassen,
damit Recitation und Declamation nicht gestört werden. Was ich hie und da
geändert, ist nicht der Rede werth. Herr Unzelmann ist nicht zu vergessen, dem
ich den Krieger im Anfange und den Boten zuletzt zugleich aufgetragen: er hat
trefflich erzählt. Also nur soviel für dießmal mit meinem Dank. Wer der
Verfasser sey ist bis jetzt ein Halbgeheimniß geblieben.
Goethe
[239] Werke XXVII. S. 270.
XVIII.
Ew. Wohlgebornen
verzeihen, daß ich auf einen schon lange erhaltnen Brief noch nicht
geantwortet. Ich habe hier einige Monate auf die Bearbeitung und auf den Druck
eines Romans verwendet, der in wenig Tagen die Presse verlassen wird.[240]
Da Sie sich in diesem Fache selbst so löblich hervorgethan; so wünschte ich
wohl Ihre Meynung über meine Arbeit zu hören, und wenn es Ihnen gelegen
wäre, öffentlich. Es giebt, wie Sie selbst wissen, mehr als eine Art dergleichen
Productionen zu beurtheilen: eine gedrängte, welche die Hauptmomente
hervorhebt, würde mir sehr willkommen seyn.
Daß die Theatercommission Ihre kleine Schuld bey Herzogl. Canzley saldire,
nehmen Sie wohl freundlich auf. Wir sind Ihnen so mancherley schuldig, daß wir
wenigstens nicht unterlassen können, bey dieser geringen Gelegenheit Ihnen
unsre dankbare Aufmerksamkeit zu bezeigen.
Der ich mit den besten Wünschen für Ihr Wohlseyn mich zu geneigtem
Andenken empfehle
Jena