Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 71 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel XX

 

Ew. Wohlgebornen

gehe schon wieder mit einer Bitte an, wobey ich doch ausdrücklich bemerke,

daß es mit der Erfüllung derselben keine Eile hat. Wenn die Nachricht die ich

wünsche, auf Weihnachten zu mir gelangt, so kommt sie noch zeitig genug.

Indem ich mich mit der Geschichte der Chromatik beschäftige, treffe ich

wieder auf einen Mann, von dessen Lebensumständen ich schon längst eine

nähere Nachricht gewünscht hätte.[241] Er heißt Johann Leonhard Hoffmann, und

sein Buch: Versuch einer Geschichte der mahlerischen Harmonie überhaupt und

der Farbenharmonie insbesondre, mit Erläuterungen aus der Tonkunst und vielen

practischen Anmerkungen. Halle, in Joh. Christ. Hendels Verlage 1768.

Die Dedication ist Leipzig im Sommermonat desselbigen Jahrs datirt, an

Herrn Gottfried Winkler gerichtet. Daraus, und aus der Art wie in der Vorrede

von Oesern gesprochen wird, sieht man, daß der Verfasser sich eine Zeit lang in

Leipzig aufgehalten hat. Er scheint ein zarter, wohl denkender Mann gewesen zu

seyn, der schöne Kenntnisse sowohl in der Mahlerey als in der Musik verräth,

und wenn er seinem Unternehmen auch nicht ganz gewachsen ist, doch wegen

feiner und glücklicher Bemerkungen alle Aufmerksamkeit und in der Geschichte

eine ehrenvolle Erwähnung verdient. Könnten Ew. Wohlgebornen mir von den

Lebensumständen dieses Mannes einige Nachricht verschaffen, so würden Sie

mich sehr verbinden.

Theilte wohl Ihr Freund etwas von seinen Zeichnungen nach Faust auf kurze

Zeit mit; so würde es mir und manchem unsrer kleinen Gesellschaft zu großem

Vergnügen gereichen. Sie sollten bald wieder zurückerfolgen.

Mich bestens empfehlend

Weimar

den 20 November

1809.

 

Goethe

 

[241] Vgl. S. 286.

 

XXI.