Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel XIII
kann, ob ich die Direction, die ich für den Augenblick niedergelegt, wieder
aufzunehmen werde im Fall seyn, deswegen ich mir das Nähere jenes Stück
betreffend vorbehalten muß.
Nun aber eine Bitte. Ich bin Herrn Dr. Kappe[238] soviel Dank schuldig, daß
ich ihm wenigstens etwas Gefälliges erzeigen sollte. Mein Gedanke ist, ihm ein
Velin Exemplar meiner Werke anzubieten. Wenn Sie erlaubten so würde ich es
wohlgepackt an Sie addressiren; es ist nur broschirt, ich wünschte aber daß es in
Leipzig durch Ew. W. Vorsorge geschmackvoll gebunden würde. Was würde
man für 12 Bände zu bezahlen haben? Ich würde das Geld gleich beyliegen. Mit
Bitte um baldige Antwort empfehle ich mich bestens
Weimar
den 8 December 1808.
Goethe
[237] Rochlitz: Antigone, Tragödie nach Sophokles in drei Abtheilungen; in der Auswahl
Th. II.
[238] Dr. Kapp, Goethes Tischgenoß auf der Universität (s. S. 23), früher Arzt in Leipzig,
später in Dresden, welcher ihn in Karlsbad behandelte. Briefw. m. Zelter I. S. 266. Vgl. XIII. XIV. XV. XXI. Werke XXVII. S. 240. 299.
XIII.
Ew. Wohlgebornen
bin so frey das Exemplar für Herrn Doctor Kappe zu übersenden. Ist es
gebunden, so erbitte mir die Anzeige des Kostenbetrags. Sie hätten ja wohl die
Gefälligkeit bey Dr. Kappe anzufragen, ob Sie es in Leipzig lassen oder ihm
nach Dresden schicken sollen. Ich schreibe ihm alsdann auf alle Fälle selbst. Bis
dahin kann ich wohl auch etwas näheres von dem Schicksal unsers Theaters und
Ihrer Antigone schreiben. Eins scheint mir unerläßlich, daß Sie sich nun auch die
gleiche Mühe mit Ödipus, und Ödipus auf Colonus geben: denn eigentlich thut
Antigone nur den vollkommnen Effect in Gefolge von jenen beyden Stücken.
Sie könnten um sich ein Stück Arbeit zu ersparen, die Solgersche Arbeit zu
Grunde legen und diese nur deutschen Ohren mehr annähern. Doch davon läßt
sich weiter sprechen wenn wir erst dazu kommen, Antigone voraus aufzuführen.
Ich wünsche recht wohl zu leben und bitte meines Antheils und Danks gewiß zu seyn.