Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 36 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

13. Unbeständigkeit.

Und fliegt mit neuverstärktem Triebe

Zu unsern heißen Küssen hin;

Da hat daran der Eigensinn,

So vielen Antheil als die Liebe.

 

Doch wenn die Mutter es erreicht,

Daß sie das gute Herz erweicht,

Voll Stolz auf ihre Lehren sieht,

Daß uns das Mädgen spröde flieht;

So kennt sie nicht das Herz der Jugend,

Denn wenn das je ein Mädgen thut

So hat daran der Wankelmuth

Gewiß mehr Antheil als die Tugend.

 

12, 7. So hat daran der Eigensinn

10. Daß sie das kleine Herz erweicht.

 

13. Unbeständigkeit.

 

Im spielenden Bache da lieg ich wie helle!

Verbreite die Arme der kommenden Welle,

Und buhlerisch drückt sie die sehnende Brust.

Dann trägt sie ihr Leichtsinn im Strome darnieder,

Schon naht sich die zweyte und streichelt mich wieder,

Da fühl ich die Freuden der wechselnden Lust.

 

O Jüngling sey weise, verwein' nicht vergebens

Die fröhlichsten Stunden des traurigen Lebens

Wenn flatterhaft je dich ein Mädgen vergißt.

Geh, ruf sie zurücke die vorigen Zeiten,

Es küßt sich so süße der Busen der Zweyten,

Als kaum sich der Busen der Ersten geküßt.

 

13, 1. Auf Kieseln im Bache, da lieg ich wie helle!

9. Wenn flatterhaft dich ja ein Mädgen vergißt.

 

14. An die Unschuld.