Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 21 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel IX

Goethe

 

[121] Der Bildhauer Klauer hatte, als Oeser im Sommer 1780 in Weimar war, dessen

Büste modellirt, mit welcher Goethe seine Zufriedenheit wiederholt ausspricht, Briefe an Frau v. Stein I. S. 318. 319. 321 an Merck I. S. 252.

[122] Prinz Constantin, Bruder des Herzogs.

[123] Das Oesersche Standbild Friedrich Augusts III. auf dem Königsplatz in Leipzig

wurde am 3. Aug. 1780 feierlich aufgerichtet.

 

IX.

 

In der Zerstreuung, in die mich vielerley Geschäfte bey meiner Ankunft

versezen, kann ich nur mein bester Herr Profeßor Ihnen für die viele Liebe und

Freundschaft danken die Sie mir bey meinem Aufenthalt in Leipzig bezeiget. Da

mir meine Stunden so knapp zugemeßen waren, wie viel bin ich Ihnen nicht

schuldig dass Sie mir den größten Theil davon so angenehm und nüzlich haben

verbringen machen.

Da ich übermorgen als den 3t. schon wieder von hier abreisen muß, [124] so

bitte ich Sie wegen der abzuschickenden Statue mit dem Herrn Rath Bertuch zu

korrespondiren, dem ich den umständlichen Auftrag gegeben habe. Er wird auf

Ihre Nachricht den Fuhrmann zur rechten Zeit nach Leipzig schicken, und das

nöthige besorgen.

Ich empfehle mich Ihnen und den Ihrigen aufs beste, wobey sich mein kleiner

Reisegefährdte[125] mit anschließt. Verzeihen Sie alle Beschwerden die ich Ihnen

mache, und bleiben Sie meiner vollkommensten Ergebenheit versichert. Weimar

d. 1 Okt. 1781.

Das bewußte Basrelief wird nächstens anlangen.

 

Goethe

 

[124] Nach Gotha. Briefe an Frau v. Stein II. S. 103 ff.

[125] Friedrich v. Stein. Briefe an Frau v. Stein II. S. 102 ff.

 

X.

Mein Dank kommt spät lieber Herr Professor und ist noch immer so warm als

beym Abschiede, da ich gewiß sehr ungerne Leipzig verließ.[126] Sie haben mir

meinen Aufenthalt so angenehm und nüzlich gemacht als möglich und ich bin

wie immer bereichert von Ihnen weggegangen.

Zwar habe ich es gemacht wie das Volk Israel bey seinem Auszuge aus

Egypten. Sie werden verschiedenes vermissen worunter besonders ein großer

Pinsel ist, welchen ich aber mir ohne Furcht und Reue zugeeignet habe. Wenn

wir so glücklich sind Sie aufs Frühjahr hier zu sehen[127] soll Ihnen alles

vorgelegt werden was ich damit biß dahin zu Stande bringe. Die Farbe ist

gekocht, die Kunststüke werden geübt, aber leider ists noch immer das

Rähmchen was mir an solchen Arbeiten am besten gelingt.

Die verlangte Büste für Herrn Breitkopf ist eingepackt und geht mit dem

Schaurischen Wagen ab. Den Riß des Observatorii habe ich in eine Schachtel an

Rosten beypacken laßen, und auch dieser wird hoffentlich zur rechten Zeit

anlangen.

Nun aber muß ich auf das dringendste um den berühmten Brunnen bitten. Der

Versuch ist gemacht worden, man hat ihn in die Höhe gestaucht, welches wohl

angeht. Freylich läuft er da in einer starken Röhre und in einem schwachen

Spiegel. Haben Sie die Güte mir die Zeichnung so bald als möglich zu schicken,

denn es warten die Anlagen der Weege und die Pflanzungen darauf und ob

gleich die Jahrszeit strenge ist so sind doch immer unsere gnädigsten Herrn in

Arbeit.

Große Steine sind auch zu dem berühmten Felsen hinzugeschafft und warten

nur auf Ihre schöpferische Befehle um sich zu einem schönen Ganzen zu bilden.

Lassen Sie nun unsere Hoffnungen nicht scheitern und kommen mit der ersten

guten Jahreszeit.[128]

Empfehlen Sie mich den werthen Ihrigen und danken tausendmal für die viele

gefällige Hülfe und freundliche Unterhaltung, womit sie bey meinem

Aufenthalte gegen mich so freygebig gewesen sind.

Herrn Creuchauf recht viele Complimente.

Was macht mein Burscher? Werde ich balde ein Kunstwerk des neuen

Hogarths sehen?

Ich habe auch gleich nach meiner Ankunft die feinen Pappen nachmachen

laßen, sie sind aber zum erstenmale nicht ganz glücklich gerathen, es fehlt ihnen

an dem nöthigen Leime, weswegen sich der Papiermacher mit der Witterung

entschuldigt.

Wenn Sie zu uns kommen werden Sie Sich an den vortreflichen Eisenstufen

ergözen die ich aus dem Trierischen erhalten habe. Sogar auch Ungarische sind mir zugekommen. Freylich nicht so schön wie die Ihrigen.