Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 17 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

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immer dabey, und sollte man auch nur bey der Gelegenheit erfahren, dass weit

ausgebreitete Gelehrsamkeit, tiefdenckende spitzfündige Weisheit, fliegender

Witz und gründliche Schulwissenschafften, mit dem Guten Geschmacke, sehr

heterogen sind.

Das Frauenzimmer liebt sich hier sehr das erstaunliche, vom schönen, naiven,

komischen halten sie weniger. Desswegen sind alle Meerwunder: Grandison,

Eugenie,[113] [114] der Galeerensclave, und wie die ganze fantastische Famielie

heisst, hier im grossen Ansehn. Von der Wilhelmine, die doch dem Himmel sey

Danck, dreymal aufgelegt ist,[115] habe ich trutz aller Nachfrage in keiner

Damenbibliotheck Ein Exemplar auftreiben können. Nächstens ein mehreres von

diesen betrübten Umständen.

Wenn der Rothstein und die schwarze Kreide gut sind, so steht Ihnen mehr zu

Diensten. Empfelen Sie mich gütig, Ihrer Frau Gemalinn, und der ganzen

Famielie; wie auch meinen Gönnern und Freunden, denen Herren Creuchauf,

Weisse, Clodius Hubert, v. Hartenberg, Cravinus, Gröning, namentlich. Meine

Eltern empfelen sich Ihnen. Und ich binn, mit der zärtlichsten Hochachtung,

 

Ihr

ergebenster Schüler

und Diener,

Goethe.

 

[111] Wielands Brief an Riedel war der ersten Ausgabe von Idris und Zenide (1767)

vorgedruckt.

[112] An essay upon prints. Lond. 1768. 8.

[113] Eine Übersetzung der Eugenie von Beaumarchais (Paris 1767) erschien Leipzig

1768; vgl. Werke XXII. S. 147.

[114] Der Galeerensclave (Leipz. 1768) war eine Übersetzung von L'honnête criminel von

Fenouillot de Falbaire (Par. 1766). Lessing dachte einmal an eine Bearbeitung desselben Stoffs, „denn er war mit dem französischen Stücke davon nicht zufrieden, soviel auch deren deutsche Vorstellung damals Beifall erhielt.“ Lessings theatr. Nachlaß I. S. XLVII.

[115] Thümmels Wilhelmine war in Leipzig 1764, 1766, 1768 erschienen; vgl. Werke

XXII. S. 148.

 

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