Goethes Briefe an Leipziger Freunde
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immer dabey, und sollte man auch nur bey der Gelegenheit erfahren, dass weit
ausgebreitete Gelehrsamkeit, tiefdenckende spitzfündige Weisheit, fliegender
Witz und gründliche Schulwissenschafften, mit dem Guten Geschmacke, sehr
heterogen sind.
Das Frauenzimmer liebt sich hier sehr das erstaunliche, vom schönen, naiven,
komischen halten sie weniger. Desswegen sind alle Meerwunder: Grandison,
Eugenie,[113] [114] der Galeerensclave, und wie die ganze fantastische Famielie
heisst, hier im grossen Ansehn. Von der Wilhelmine, die doch dem Himmel sey
Danck, dreymal aufgelegt ist,[115] habe ich trutz aller Nachfrage in keiner
Damenbibliotheck Ein Exemplar auftreiben können. Nächstens ein mehreres von
diesen betrübten Umständen.
Wenn der Rothstein und die schwarze Kreide gut sind, so steht Ihnen mehr zu
Diensten. Empfelen Sie mich gütig, Ihrer Frau Gemalinn, und der ganzen
Famielie; wie auch meinen Gönnern und Freunden, denen Herren Creuchauf,
Weisse, Clodius Hubert, v. Hartenberg, Cravinus, Gröning, namentlich. Meine
Eltern empfelen sich Ihnen. Und ich binn, mit der zärtlichsten Hochachtung,
Ihr
ergebenster Schüler
und Diener,
Goethe.
[111] Wielands Brief an Riedel war der ersten Ausgabe von Idris und Zenide (1767)
vorgedruckt.
[112] An essay upon prints. Lond. 1768. 8.
[113] Eine Übersetzung der Eugenie von Beaumarchais (Paris 1767) erschien Leipzig
1768; vgl. Werke XXII. S. 147.
[114] Der Galeerensclave (Leipz. 1768) war eine Übersetzung von L'honnête criminel von
Fenouillot de Falbaire (Par. 1766). Lessing dachte einmal an eine Bearbeitung desselben Stoffs, „denn er war mit dem französischen Stücke davon nicht zufrieden, soviel auch deren deutsche Vorstellung damals Beifall erhielt.“ Lessings theatr. Nachlaß I. S. XLVII.
[115] Thümmels Wilhelmine war in Leipzig 1764, 1766, 1768 erschienen; vgl. Werke
XXII. S. 148.
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