Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 14 von 106

PDF-Seiten

Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel I

[102] Werke XXIII. S. 179.

[103] Werke XXIII. S. 205. vgl. S. 176. 177 f. 186. 194. 195.

[104] Werke XXIV. S. 154.

[105] Werke XXIV. S. 164 f. vgl. Eckermann Gespräche I. S. 215. 341.

[106] Werke XXIV. S. 270 f.

 

An Adam Friedrich Oeser.

 

I.

 

Theuerster Herr Professor,

Zwölf Tage bin ich nun wieder in meiner wehrten Vaterstadt, von

Anverwandten, und Freunden, und Bekanndten umgeben die sich über meine

Ankunft teils freuen, teils verwundern, und alle sich bemüen, dem neuen

Ankömling, dem halben Fremdling gefällig zu seyn, und ihm eine Stadt, die zu

sehr Antithese von Leipzig ist um viel Annehmlichkeiten für ihn zu haben durch

einen freundschafftlichen Umgang erträglich zu machen. Wir wollen sehen wie

weit sie's bringen, jetzo kann ich nichts sagen, ich binn zu zerstreut, und mit

meiner neuen Einrichtung zu sehr beschäfftigt, als daß mein Herz für das was ich

verlohren habe, und für das was ich hier wieder finde, viel Empfindung haben

sollte. Ich schreibe Ihnen auch für dießmal nichts, als daß meine Ankunft nach

einer glücklichen Reise, eine erwünschte Ruhe über meine Famielie verbreitet

hat, daß meine Kranckheit, die nach dem Ausspruch meiner hiesigen Ärtzte

nicht so wohl in der Lunge als in denen dazu führenden Teilen liegt, sich täglich

zu bessern scheint. Daß Ihr Tischer[107] nachdem er sich einige Tage bey uns

aufgehalten, mit guten Empfelungsschreiben an den Ort seiner Bestimmung, in

der Hoffnung seine Sache so gut als möglich auszuführen gereißt ist, und sich

Ihnen und Ihrem ganzen Hause bestens empfelen läßt. Und das sey für diesesmal

alles. Jede danckbaare Empfindung für alles was ich Ihnen schuldig binn, sey biß

zu einer ruhigern und glücklichern Zeit aufgehoben, sobald ich diese so sehr

erwartete Epoche werde erreicht haben, will ich Ihnen einen längern und bessern

Brief schreiben; mittlerweile erhalten Sie mir Ihre Liebe, Ihre Freundschafft die

mir so sehr geschmeichelt, die mich so sehr aufgemuntert hat, erhalten Sie mich

in dem Andencken Ihrer verehrungswürdigen Gattin und Ihrer liebenswürdigen Kinder, und aller meiner Freunde; Hrn. Kreuchauf, Hrn. Cravinus, Hrn. v.