Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 57 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Goethes Briefe an Friedrich Rochlitz.

Goethes Briefe

an

 

Friedrich Rochlitz.

 

I.[217]

 

Sie sind überzeugt daß ich herzlichen Antheil an dem sonderbaren

Glückswechsel nehme, der Sie so unvermuthet betroffen hat. Da dieser Faden

gerissen ist so säumen Sie ja nicht andere wieder anzuknüpfen und wäre es auch

nur zuerst sich zu zerstreuen. Mögen Sie mir manchmal schreiben, so soll es mir

angenehm seyn. Ich bin zwar nicht der beste und treuste Correspondent,

indessen ließe sich ja wohl manchmal etwas über dramatische Kunst verhandeln,

in der Sie schon die artigen Proben gegeben haben.

In eben dem Sinn wiederhole ich meinen Wunsch daß Sie um den

ausgesetzten Preis mit concurriren möchten.[218] Denn indem Sie das thun, regt

sich denn doch eine kleine Welt in Ihrer Einbildungskraft und zieht Sie ab, von

andern Gedanken, die sich Ihnen in der Zeit vielleicht aufdringen würden.

Das kleine neue Stück[219] gedenke ich, ohne Nahmen, aufführen zu lassen,

nicht weil ich es für geringer halte als das vorige,[220] sondern um desto reiner zu

sehen welchen Effect es thut.

Ich werde einige kleine Veränderungen daran machen und Ihnen kürzlich

alsdann die Ursachen anzeigen.

Für das überschickte Geld folgt hierbey die Quittung. Unsere Canzleyleute

werden sich für den reichlichen Überschuß einen guten Feyertag machen.

Manches was ich über Ihren Fall schreiben könnte weiß sich ein gebildeter

Mann selbst zu sagen, einiges, das ich aus meiner langen Erfahrung wohl

darüber sagen möchte, darf ich nicht schreiben. Vielleicht treffen wir bald irgend wo zusammen und mein Vertrauen soll dem Ihrigen von Herzen begegnen.