Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel II
Hochedelgebohrner
insonders Hochzuehrender Herr
Es ist mir sehr angenehm gleich mit dem Anfange des Neueniahrs
Gelegenheit zu finden Sie an Ihre alte Gewogenheit gegen mich zu erinnern.
Lavater trägt mir auf Ihnen beigehenden Anfang des Phisiognomischen
Manuscripts zu übersenden mit dem es folgende Bewandniß hatt. Die
Übersetzung der Einleitung habe ich zu besorgen,[161] dahingegen Sie die
Fragmente selbst von p. 7 an von Herrn Hubern übersezen laßen werden. p. 17.
wo ein † mit Bleistifft gezeichnet stehet, wie auch p. 21. werden vielleicht noch
einige Zusäze eingesandt werden, sollten diese aber außen bleiben, so ist an
beiden Orten zur Nachricht dem Sezer schon angemerkt daß diese Zeichen auf
weiter nichts Beziehung haben. Wollten Sie mir den Empfang dieser Papiere
gefälligst berichten, und zugleich etwa sonst einiges zu Beförderung und
Ausführung dieses Werks gehöriges mir zu wißen thun, so will ich alles mit dem
besten Eifer besorgen, da ohnedem die Spedition des Manuscripts meistens
durch meine Hände gehen wird, da ich den öfters die Ehre haben werde Sie
derienigen Hochachtung zu versichern mit der ich mich nenne
Frankfurt den 2 Jenner
1775
Ew. Hochedelgeb.
ganz ergebenster Diener
Goethe
[161] Goethe sollte die Einleitung durch Gotter ins Französische übersetzen lassen. (Brief
von Lavater an Reich 20. Jan. 75.)
III.
Hier schick ich die Zugaben an den bemerckten Orten einzurücken, ich hoffe
sie sollen zur rechten Zeit kommen wo nicht so bitte mirs gleich zu melden.
Sie werden die Folge nun auch schon empfangen haben, oder so gleich
empfangen. Frfurt. d. 23 Jan. 1775.
Goethe.