Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 74 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel XXIV

bekümmern.“ Eckermann Gespr. I. S. 147.

[249] „Bedenke ich es aber jetzt genauer, so finde ich hier den Keim der Nichtachtung, ja

der Verachtung des Publicums, die mir eine ganze Zeit meines Lebens anhing und nur spät durch Einsicht und Bildung ins Gleiche gebracht werden konnte.“ Werke XX. S. 53.

[250] Vgl. S. 325.

[251] In Dichtung und Wahrheit. Werke XX. S. 153 ff.

 

XXIV.

 

Da mich das herannahende Frühjahr wahrscheinlich bald von Weimar weg

und nach Böhmen locken wird, so will ich nicht versäumen Ew. Wohlgeb.

nochmals zu schreiben, und mich Ihrem Andenken bestens zu empfehlen.

Das mitgetheilte Blatt über meine Farbenlehre folgt hierbey mit vielem Dank

zurück, nur Schade, daß es nicht mehrere waren. Gerade diese Art von

unschuldigen augenblicklichen Äußerungen sind mir unendlich werth und

besonders hier, wo ich mit Vergnügen sehe, wie eine Sache, mit der ich mich so

viele Jahre beschäftiget, auch in dem Gemüthe eines Freundes aufgeht, und sich

dasselbe nach und nach zu gewinnen weiß.

Diesen Winter hat mich das Theater sehr von anderen Thätigkeiten

abgezogen, ich muß erwarten, ob die Carlsbader Einsamkeit, die ich wenigstens

im Monath May hoffen darf, mir Raum giebt, etwas für Poesie, Wissenschaft,

oder was es sonst wäre, zu thun.

Leben Sie unterdessen recht wohl, und lassen Sie Sich in litterairischen

Dingen nichts anfechten; wir haben unsere Kräfte zu nothwendigerem Gebrauch

jetzt aufzusparen.

Das Gemäldeverzeichniß habe ich höheren Orts mitgetheilt, und bin nicht

ganz ohne Hoffnung einiges Erfolgs, leider genießt man jetzt kaum, was man

besitzt, wie sollte man noch mehr zu besitzen wünschen! Sollte sich die Aussicht

nach Norden wieder erheitern, so wäre vielleicht dort etwas zu thun.

Mit den besten Wünschen mich zu freundschaftlichem Andencken empfehlend

W. d. 7 Apr.

1812.

 

Goethe