Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 93 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel XLVIII

Es ist mir in dieser Zeit gar vieles Gute begegnet; Hr. Dr. von Henning in

Berlin hat Vorlesungen gehalten über meine Farbenlehre, ich lege seine

Einleitung bey, die wohl für jeden gebildeten Geist verständlich und nicht ohne

Intereße seyn möchte.

In Hoffnung baldigen Erwiederns wünsche Ihrer fortwährenden Theilnahme

immer versichert zu bleiben.

Weimar

den 20. Septbr.

1822. [282]

 

treulichst

Goethe.

 

[282] Am 26. Febr. 1823 theilte August v. Goethe Rochlitz die Nachricht von der

schweren Erkrankung seines Vaters mit und sprach die Hoffnung aus, daß nun die Gefahr beseitigt sei; wörtlich wie an Zelter, Briefw. III. S. 292 f.

 

XLVIII.

 

Ew. Wohlgeb.

 

haben durch Ihre wahrhaft liebenswürdige Sendung,[283] ganz eigentlich

meinem Hause Seegen gebracht. Ihre herzlich eindringende Darstellung des

Messias, erregte den unwiderstehlichen Wunsch die alten verklungenen Gefühle

in mir zu erneuen und nun unter Anleitung des wackern Eberweins durch

freundliche Theilnahme von Künstlern und Liebhabern vernehme soviel von

dem köstlichen Werck daß ich aufs neue darüber entzückt seyn und Ihnen für

diesen Genuß aufs verbindlichste danken muß.[284]

Da nun hiebey das herrliche, sich immer gleichbleibende Piano, wie vor

Kurzem unter den Fingern der Madame Szymanowska,[285] eine Hauptrolle

spielt, so sind Sie dem Geiste nach manchen schönen Abend unter uns.

Vergönnen Sie daß ich von diesen häuslichen Festen, in Bezug auf Ihre

Veranlaßung, öffentlich einige Worte verlauten laße, wie ich denn auch des

übrigen Inhalts Ihres Bandes mit Hinblick auf die früheren Arbeiten zu gedenken

habe.[286] Möge Ihnen alles wohlgelingen und Sie mich den so viele Jahre

geschenckten Antheil auch fernerhin genießen laßen.

Weimar