Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Johann Wolfgang von Goethe · Kapitel 98 von 106

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Goethes Briefe an Leipziger Freunde

Kapitel LIII

[290] Briefw. m. Zelter V. S. 254. 261.

 

LIII.

 

Möge der beykommende ernste Scheinbau, so wie die fromme Dreyheit dem

theuersten Freunde eben solche vergnügte Empfindungen beym fortdauernden

Anschauen verleihen als mir und meiner Umgebung die verunglückten

Wagenlenker gewähren. Mögen diese Blätter als schöne Denkmale immer den

Theilnehmenden vor Augen seyn, eines erneuten Verhältnisses, welches für alle

Zukunft die anmuthigsten Folgen gewinnen muß.

Unter den mannigfaltigsten Erinnerungen und Grüßen nur noch den treusten

Zuruf.

Weimar

den 5. Jul.

1829.

 

und so fortan!

J W Goethe

 

LIV.

 

Lassen Sie uns noch immer einige Briefe wechseln! Denn das ist ja der

Vortheil einer, nach langen Jahren erneuten, persönlichen Gegenwart, daß, aus

der wechselseitigen Erkennntniß der eben obwaltenden besondern Zustände, ein

neuer Antheil hervortritt, weil der Geist nunmehr erfährt wohin er seine

Richtung nehmen soll, und das Gemüth sicher ist eine reine Theilnahme werde

günstig aufgenommen werden.

In diesem Sinne empfind ich dankbar: daß Sie mir die Stellen bezeichnen

wollen welche Sie in den neuen Wanderjahren Sich angeeignet. Eine Arbeit wie

diese, die sich selbst als collectiv ankündiget, indem sie gewissermaßen nur zum

Verband der disparatesten Einzelnheiten unternommen zu seyn scheint, erlaubt,

ja fordert mehr als eine andere daß jeder sich zueigne was ihm gemäß ist, was in

seiner Lage zur Beherzigung aufrief, und sich harmonisch wohlthätig erweisen

mochte.

Wenn ich daher die von Ihnen, mein Theuerster, angedeuteten Stellen wieder aufschlug, war es eine angenehme Unterhaltung mit einem abwesenden Freunde,