Goethes Briefe an Leipziger Freunde
Kapitel V
Ich bin verschwunden wie ich erschienen bin. Liebster Mann, tausend Danck
für alles, und unveränderliche Liebe in saecla saeclorum. Grüsen Sie ihre ganze
Famielie, und Beckern[117]. Vergessen Sie die Abgüsse nicht und schicken sie
bald. Der Herzog hat auf meine Beschreibung Lust zu den Snayers gekriegt, man
muss sehn wie sie ihm gegenwärtig behagen. Drum bitt ich Sie, mir sie wohl
gesäubert und wohl gepackt mit dem Postwagen zu übersenden. — Ich habe
Leipzig ungern verlassen, — M. Becker soll mir manchmal schreiben.
Weimar d. 6. Apr. 1776.
Goethe.
[116] Hier fehlen mehrere Briefe; s. oben S. 107.
[117] W. G. Becker, Herausgeber der Erholungen und des Taschenbuchs zum geselligen
Vergnügen, später Aufseher der Antikensammlung in Dresden, welcher in Oesers Hause sehr viel verkehrte.
V.
Wir wollen der Hrz. Louise auf ihren Geburtstag auf unsern Brettern ein neu
Stück geben[118] und bedürfen dazu eines hintersten Vorhanges zum Wald. Wir
mögten auf diesem Prospeckt gern eine herrliche Gegend vorstellen mit Haynen
Teichen, wenigen Architeckturstücken &c. denn es soll einen Parck bedeuten.
Hätten Sie so was vorräthig so schicken Sies doch aber mit nächster Post,
allenfalls ein Kupfer von Poussin, oder sonst eine Idee, wir bitten recht sehr
drum. Sie haben erinnere ich mich so was auf einem Vorhang in Leipzig. Die
Büste kriegen Sie ehstens. Ihr Andencken ist lebendig unter uns. Herzoginn
Louise hat mir Vorwürfe gemacht dass ich Sie nicht zu ihr gebracht habe, also
müssen Sie bald wiederkommen das gut zu machen. Addio ist Ihnen nichts
weiter von meiner Gottheit offenbaart worden?
d. 7 Jan. 77. Goethe.
[118] Proserpina wurde am 30. Jan. 1777 aufgeführt. Riemer Mittheilungen II. S. 38.
VI.