Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 100 von 103

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Petersburg

Eine einzige Sinnlosigkeit

»Mä — mmä . . . Ssemjonytsch: also sagen Sie: . . .«

»Zu Befehl . . .«

 

»Ich bin mit Kolenka, Anna Petrowna, nicht ganz zufrieden . . .«

»Was sagen Sie . . .«

»Kolenka benimmt sich schon seit geraumer Zeit — regen Sie sich nicht auf

— er benimmt sich einfach — aber regen Sie sich nicht auf — einfach sonderbar

. . .«

— ?

Die goldeingerahmten Trumeaus verschlangen mit ihrem grünlichen Glas den

Salon.

»Kolenka wurde etwas verschlossen . . . Kche — kche« — nach dem

Hustenanfall begann er mit den Fingern aufs Tischchen zu trommeln; es fiel ihm

etwas — etwas Persönliches — ein, er zog die Augenbrauen zusammen, rieb

sich an der Nasenwurzel; doch er faßte sich bald und rief mit fast übermäßiger

Lustigkeit:

»Übrigens: nein, es ist weiter nichts dabei . . . Gar nichts . . .«

Zwischen den Trumeaus glitzerten überall Perlmuttertischchen.

 

Eine einzige Sinnlosigkeit

 

Den Schmerz im Knie überwindend (der Fall in Lichutins Zimmer machte sich

immerhin bemerkbar), ein wenig hinkend, lief Nikolai Apollonowitsch durch

den Korridor.

Ein Wiedersehen mit der Mutter!

Ein Wirbel von Gedanken und Vorstellungen rauschte durch seinen Kopf; oder

nein: es waren keine Gedanken, und es gab nirgends einen Sinn — es war ein

Wirbel von Sinnlosigkeiten.

Welche Gedanken waren es?

Erstens der Gedanke an den Schrecken seiner Lage; der Schrecken seiner

Lage ergab sich durch das Verschwinden der Sardinenbüchse; die

Sardinenbüchse, d. h. die Bombe, ist verschwunden; es war klar, daß jemand die

Bombe weggeschafft hat; wer aber, wer? Einer von den Dienern; dann ist also

die Bombe in die Hände der Polizei gekommen; und er wird — verhaftet; das

wäre nicht das Schlimmste; das Schlimmste ist: Apollon Apollonowitsch selbst

hat die Bombe gefunden und hat sie mitgenommen und weiß jetzt: weiß jetzt alles.