Petersburg
Eine einzige Sinnlosigkeit
»Mä — mmä . . . Ssemjonytsch: also sagen Sie: . . .«
»Zu Befehl . . .«
»Ich bin mit Kolenka, Anna Petrowna, nicht ganz zufrieden . . .«
»Was sagen Sie . . .«
»Kolenka benimmt sich schon seit geraumer Zeit — regen Sie sich nicht auf
— er benimmt sich einfach — aber regen Sie sich nicht auf — einfach sonderbar
. . .«
— ?
Die goldeingerahmten Trumeaus verschlangen mit ihrem grünlichen Glas den
Salon.
»Kolenka wurde etwas verschlossen . . . Kche — kche« — nach dem
Hustenanfall begann er mit den Fingern aufs Tischchen zu trommeln; es fiel ihm
etwas — etwas Persönliches — ein, er zog die Augenbrauen zusammen, rieb
sich an der Nasenwurzel; doch er faßte sich bald und rief mit fast übermäßiger
Lustigkeit:
»Übrigens: nein, es ist weiter nichts dabei . . . Gar nichts . . .«
Zwischen den Trumeaus glitzerten überall Perlmuttertischchen.
Eine einzige Sinnlosigkeit
Den Schmerz im Knie überwindend (der Fall in Lichutins Zimmer machte sich
immerhin bemerkbar), ein wenig hinkend, lief Nikolai Apollonowitsch durch
den Korridor.
Ein Wiedersehen mit der Mutter!
Ein Wirbel von Gedanken und Vorstellungen rauschte durch seinen Kopf; oder
nein: es waren keine Gedanken, und es gab nirgends einen Sinn — es war ein
Wirbel von Sinnlosigkeiten.
Welche Gedanken waren es?
Erstens der Gedanke an den Schrecken seiner Lage; der Schrecken seiner
Lage ergab sich durch das Verschwinden der Sardinenbüchse; die
Sardinenbüchse, d. h. die Bombe, ist verschwunden; es war klar, daß jemand die
Bombe weggeschafft hat; wer aber, wer? Einer von den Dienern; dann ist also
die Bombe in die Hände der Polizei gekommen; und er wird — verhaftet; das
wäre nicht das Schlimmste; das Schlimmste ist: Apollon Apollonowitsch selbst
hat die Bombe gefunden und hat sie mitgenommen und weiß jetzt: weiß jetzt alles.