Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 22 von 103

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Petersburg

Der Offizier Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin

kokettierte nicht im geringsten, war äußerst schüchtern und, während die

sozusagen Besucher stürmisch miteinander debattierten, war sie stumm. Man

hörte »Revolution — Evolution«. Und wieder »Revolution — Evolution«.

Immer über dasselbe debattierten die sozusagen Besucher; es war nicht die

Jeunesse doré, es war die einfache, arme Jugend, Studierende, die mit den

Fremdwörtern: soziale Revolution und soziale Evolution stolzierten. Engel Peri

verwechselte konsequent diese beiden Worte.

 

Der Offizier Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin

 

Unter den Studierenden befand sich eine häufige Besucherin des Hauses

Lichutin, eine in diesem Kreise geschätzte Persönlichkeit: die Studentin

Warwara Ewgrafowna.

Unter dem Einfluß der Studentin gab sich Engel Peri dazu her, einen —

denken Sie! — Meeting zu besuchen. Unter dem Einfluß der Studentin stellte

auch Engel Peri die Sammelbüchse mit der verschleierten Inschrift »Für

Wohltätigkeit« auf den Tisch. Die Büchse war natürlich nur für die Besucher

bestimmt; die zu den sozusagen Besuchern Gehörenden waren vom Zahlen

befreit; die Zahlenden waren Graf Awen, Baron Ommau-Ommergau,

Sporyschew und Werhefden. Unter dem Einfluß der Studentin begann Engel Peri

die O.-Schule zu besuchen und ochste verständnislos das »Manifest« von Karl

Marx. Zu dieser Zeit nämlich besuchte sie täglich der Student Nikolenka

Ableuchow, den sie ohne Risiko sowohl mit Warwara Ewgrafowna (die in

Nikolenka verliebt war) als auch mit Ihrer Majestät gelbem Kürassier bekannt

machen konnte: der Sohn Ableuchows war natürlich überall willkommen.

Übrigens huschte Engel Peri seit einiger Zeit heimlich zu den Spiritisten

hinüber, im Hause der Baronin . . . (na, wie heißt sie nur?), die ins Kloster gehen

wollte.

Seit dieser Zeit auch lag auf Sofja Petrownas Tischchen ein prachtvoll

gebundenes Büchlein »Der Mensch und sein Körper« von einer gewissen Henri

Besançon (Sofja Petrowna hatte wieder die Namen verwechselt: es war nicht

Henri Besançon, sondern Anni Besant).

Ihre neue Passion verheimlichte Sofja Petrowna sorgfältig sowohl vor dem

Baron Ommau-Ommergau wie auch vor Warwara Ewgrafowna; und aufs

Verheimlichen verstand sich Engel Peri in bewunderungswürdiger Weise: so ist

Warwara Ewgrafowna bei ihr nie auf Graf Awen und Baron Ommau-Ommergau gestoßen. Was dahinter gesteckt haben mochte — weiß der Himmel!