Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 30 von 103

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Petersburg

Wände — Schnee und nicht Wände

Nikolai Apollonowitsch nicht die Weite.

Inzwischen stand Alexander Iwanowitsch beim Fenster und lächelte:

»Ein Programm für die Revolution hat unsereiner nicht nötig: das ist etwas für

Theoretiker, Publizisten, Philosophen . . .«

Plötzlich brach er ab und schwieg: aus dem schlackigen Nebel rollte ein

Wagen heran, die Wagentür flog auf, und Apollon Apollonowitsch sprang rasch

hervor und warf einen flüchtigen, ängstlichen Blick auf die Spiegelscheiben der

Fenster. Auch Alexander Iwanowitsch empfand eine jähe Angst und führte die

Hand vor die Augen.

»Er . . .«

»Was ist los?«

»Nichts Besonderes: Ihr Vater ist mit dem Wagen gekommen.«

 

Wände — Schnee und nicht Wände

 

Apollon Apollonowitsch liebte seine geräumige Wohnung nicht; ihre Möbel

glänzten zu aufdringlich, so in alle Ewigkeit . . .

Lauttönend, grell hallten die Schritte des Senators durch den Saal. Von der mit

weißen Girlandenmustern verzierten Decke, aus dem Kreis der Stuckfrüchte,

hing ein Lüster aus Bergkristall. Er wiegte sich, durchschimmernd, behangen

von durchsichtigen Mullgeweben, und bebte in kristallenen Tränen.

Die Quadrate des Parketts glänzten wie ein Spiegel. Die Wände: Schnee —

und nicht Wände. Hochbeinige Stühle standen dort und goldene Rinnen liefen

die weißen Beine entlang; zwischen den Stühlen mit cremefarbenen Plüschsitzen

glänzte das Weiß der hohen Alabastertischchen, auf deren jedem sich ein

Archimedes aus demselben Material erhob. Aber es war nicht nur Archimedes,

es waren auch andere Griechen. Kalt blinkte von den Wänden das eingelegte

ernst-eisige Spiegelglas; doch eine sorgliche Hand hängte auch dahin

rundrahmige Bilder von blaßblauen Tönen, die an die Fresken von Pompeji

erinnerten.

Apollon Apollonowitsch warf im Vorübergehen einen flüchtigen Blick auf die

Fresken und gedachte derjenigen Hand, die sie dahin gehängt; diese sorgliche

Hand war die der Anna Petrowna: Apollon Apollonowitsch verzog verächtlich

den Mund und schritt in der Richtung seines Arbeitszimmers weiter. Zwei Jahre

waren es her, seit Anna Petrowna ihn, eines italienischen Sängers wegen,

verlassen hatte. —