Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 10 von 103

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Petersburg

Ein Schreibtisch stand dort

Der Unbekannte mit dem schwarzen Schnurrbärtchen setzte sich vor ein

Tischchen, um den zu erwarten, der . . .

»Haben Sie Lust auf ein Gläschen?«

Der müßig schwitzende Bärtige zwinkerte lustig.

»Danke . . .«

»Warum nicht?«

»Aber ich hab’ schon getrunken . . .«

»Trinken Sie noch eins, in meiner Gesellschaft . . .«

Mein Unbekannter überlegte etwas: Mißtrauisch sah er den Bärtigen an, griff

erst nach dem feuchten Paketchen, dann griff er nach einem Zeitungsstück und

deckte wie zufällig jenes Paketchen zu.

Plötzlich . . .

Doch von diesem »Plötzlich« später einmal.

 

Ein Schreibtisch stand dort

 

Apollon Apollonowitsch suchte sich auf den laufenden Geschäftstag

einzustellen; plötzlich standen deutlich vor ihm die Berichte des gestrigen Tages;

er sah vor sich die gefalteten, auf seinem Schreibtisch liegenden Akten, ihre

Anordnung, die von ihm auf den Akten gemachten Notizen, die Buchstabenform

der Schrift, den Bleistift, mit dem er blau »Folge geben«, rot »Information«

geschrieben hatte.

In der kurzen Zeit von der Treppe zum Arbeitszimmer veränderte Apollon

Apollonowitsch durch eigenen Willen das Zentrum seines Bewußtseins; alles

Spiel des Gehirns wurde an den Rand des Gesichtsfeldes geschoben: ein

Häufchen parallel gelegter Akten aber bekam seinen Platz im Zentrum jenes

Feldes.

Apollon Apollonowitsch öffnete die Tür des Arbeitszimmers.

Der Schreibtisch stand auf seinem Platz, und ihn bedeckte ein Haufen von

Akten; Holzscheite knisterten im Kamin; ehe er in die Arbeit versank, wärmte

Apollon Apollonowitsch seine frierenden Hände am Kamin; doch das Spiel des

Gehirns fuhr fort, seine nebelhaften Flächen zu bauen und begrenzte das

senatorische Gesichtsfeld.

Apollon Apollonowitsch blieb in der Tür stehen — denn — wie nun anders?

Das harmlose Gehirnspiel schob sich wieder in sein Gehirn, das heißt in den

Haufen von Akten und Bittgesuchen.