Petersburg
Ein Schreibtisch stand dort
Der Unbekannte mit dem schwarzen Schnurrbärtchen setzte sich vor ein
Tischchen, um den zu erwarten, der . . .
»Haben Sie Lust auf ein Gläschen?«
Der müßig schwitzende Bärtige zwinkerte lustig.
»Danke . . .«
»Warum nicht?«
»Aber ich hab’ schon getrunken . . .«
»Trinken Sie noch eins, in meiner Gesellschaft . . .«
Mein Unbekannter überlegte etwas: Mißtrauisch sah er den Bärtigen an, griff
erst nach dem feuchten Paketchen, dann griff er nach einem Zeitungsstück und
deckte wie zufällig jenes Paketchen zu.
Plötzlich . . .
Doch von diesem »Plötzlich« später einmal.
Ein Schreibtisch stand dort
Apollon Apollonowitsch suchte sich auf den laufenden Geschäftstag
einzustellen; plötzlich standen deutlich vor ihm die Berichte des gestrigen Tages;
er sah vor sich die gefalteten, auf seinem Schreibtisch liegenden Akten, ihre
Anordnung, die von ihm auf den Akten gemachten Notizen, die Buchstabenform
der Schrift, den Bleistift, mit dem er blau »Folge geben«, rot »Information«
geschrieben hatte.
In der kurzen Zeit von der Treppe zum Arbeitszimmer veränderte Apollon
Apollonowitsch durch eigenen Willen das Zentrum seines Bewußtseins; alles
Spiel des Gehirns wurde an den Rand des Gesichtsfeldes geschoben: ein
Häufchen parallel gelegter Akten aber bekam seinen Platz im Zentrum jenes
Feldes.
Apollon Apollonowitsch öffnete die Tür des Arbeitszimmers.
Der Schreibtisch stand auf seinem Platz, und ihn bedeckte ein Haufen von
Akten; Holzscheite knisterten im Kamin; ehe er in die Arbeit versank, wärmte
Apollon Apollonowitsch seine frierenden Hände am Kamin; doch das Spiel des
Gehirns fuhr fort, seine nebelhaften Flächen zu bauen und begrenzte das
senatorische Gesichtsfeld.
Apollon Apollonowitsch blieb in der Tür stehen — denn — wie nun anders?
Das harmlose Gehirnspiel schob sich wieder in sein Gehirn, das heißt in den
Haufen von Akten und Bittgesuchen.