Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 21 von 103

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Petersburg

Die Besucher Sofja Petrownas

 

Sofja Petrowna unterhielt nicht ihre Besucher: war dieser ein junger Mann aus

der Gesellschaft, der das Vergnügen liebte, dann hielt sie es für nötig, zu all

seinen witzigen, nicht ganz witzigen sowie ganz ernsten Worten zu lachen; sie

wurde purpurn vor Lachen, und ihre kleine Nase bedeckte sich mit

Schweißperlchen; der mondäne junge Mann wurde, weiß Gott weshalb, auch

purpurn, und seine Nase bedeckte sich mit Schweißperlchen; der mondäne junge

Mann wunderte sich über das junge, aber doch unmondäne Lachen und räumte

Sofja Petrowna innerlich einen Platz unter den Demimondänen ein. Inzwischen

erschien auf dem Tisch eine Sammelbüchse mit der Inschrift »Für wohltätige

Zwecke«, und Sofja Petrowna Lichutina rief lachend: »Sie haben wieder eine

‚Fifka‘ gesagt — Sie haben zu zahlen.« Sofja Petrowna hatte seit kurzem eine

Sammlung zugunsten der Arbeitslosen angelegt, und jeder, der eine

gesellschaftliche ‚Fifka‘, d. h. eine gewollte Dummheit, sagte, mußte — zahlen;

das Wort Fifka leitete sie von »fi . . .«4) ab. Und Baron Ommau-Ommergau, der

gelbe, Ihrer Majestät Kürassier, Graf Awen, der blaue Kürassier, der Leibhusare

Sporyschew und Werhefden, Sekretär im Amte Ableuchows, lauter mondäne

junge Leute, sprachen eine »Fifka« nach der anderen und warfen eine

Silbermünze nach der anderen in die Büchse.

Warum kamen nur zu ihr so viele Offiziere? Mein Gott, sie tanzte ja auf

Bällen; war hübsch, ohne Demimondäne zu sein; und schließlich war sie selbst

Offiziersgattin.

War ihr Besucher Musiker oder Musikliebhaber, erklärte ihm Sofja Petrowna,

daß ihre Götter — die Duncan und der Nikisch seien (sie sagte aber Dunkàn und

Nikìsch), daß sie selbst Meloplastik zu erlernen gedenke, um den Walkürenflug

in — ja, man denke nur! — in Bayreuth zu tanzen. Doch erschüttert durch die

falsche Aussprache der Namen kam der Besucher bald zu dem Schlusse, Sofja

Petrowna Lichutina sei nichts weiter als einfach ein Gänschen; und sein

Verhalten wurde ein wenig »ungezwungen«; inzwischen aber brachte das sehr

hübsche Stubenmädchen das Grammophon ins Zimmer: und aus der Kehle des

roten Blechrohres ergoß sich über den Gast der Flug der Walküre.

Sofja Petrownas Besucher zerfielen in zwei selbständige Gruppen: die zur

Gesellschaft Gehörenden und die sozusagen Besucher, die keine waren, denn sie

waren — gern Gesehene — etwas für die Seele; diese sozusagen Besucher gaben

sich keine Mühe — nicht die geringste! —, in das Treibhäuschen zu gelangen.

Mit Gewalt fast lockte sie Engel Peri — wie die Offiziere sie nannten — zu sich;

und war das geschehen, dann erwiderte sie sofort den Besuch; in ihrer Gesellschaft saß Engel Peri mit geschlossenem Mündchen: sie lachte nicht,