Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 96 von 103

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Petersburg

Das Schwanenlied

Ohren — selbst diese sind gewaltig gewachsen; gibt es doch in der Welt

einfache, anständig aussehende alte Leute? Und er ist ja noch nicht einmal ein

alter Mann.

Was hast du gemacht, Zeit?

Der blonde zwanzigjährige Student mit rosiger Gesichtsfarbe, Lipensky: —

gespensterisch aufquellend hatte er sich allmählich in einen

fünfundvierzigjährigen, unanständigen Spinnenbauch verwandelt, der

Lipantschenko hieß.

 

Das Schwanenlied

 

Der Busch kochte . . . Auf dem sandigen Strand krümmten sich da und dort

kleine Teiche mit salzigem Wasser.

Von der Bucht her flogen immerzu weißmähnige Streifen; der Mond beschien

sie, einen Streifen nach dem anderen, die in der Ferne aufstiegen und brodelten;

dann flogen sie gegen den Strand und zerschellten hier in gischtige Flocken; die

von der Bucht kommenden Streifen breiteten sich glatt auf dem flachen Strand

— resigniert, durchsichtig; sie leckten den Sand, schnitten Stücke von ihm los:

wurmten ihn; wie eine fein geschliffene, gläserne Säbelschneide glitt jeder von

ihnen über den Sand hin; hie und da erreichte der gläserne Streifen die salzigen

Teiche, sie mit salzgetränktem Wasser füllend.

Und schon lief er zurück; ein neuer brodelnd gischtiger Streifen löste ihn ab.

Der Busch kochte . . .

Hunderte von Sträuchern, hier — dort; in einiger Entfernung vom Meer

streckten sie ihre knorrigen Arme vor; diese entblätterten Arme erhoben sich wie

Bewegungen Geistesgestörter in der Luft; eine kleine schwarze Gestalt lief

ängstlich hin und her zwischen den Sträuchern; im Sommer strömten sie ein

süßes, leise raunendes Geflüster aus; jetzt war das Geflüster vertrocknet, und nur

ein Knirschen und Ächzen erhob sich von der Stelle; Nebel stiegen da auf;

Feuchtigkeiten stiegen da auf; die knorrigen Äste streckten sich aus dem Nebel

und der Feuchtigkeit; neben der kleinen Gestalt streckte sich so ein vertrockneter

Arm vor, von dünnen Ruten wie von Wolle überdeckt.

Die Gestalt neigte sich gegen einen Stamm, eingehüllt in schwarze

Feuchtigkeit; sie versank in bittere Gedanken; und der widerspenstige Kopf fiel

auf die Hände.

»Du, meine Seele,« — stieg es aus dem Herzen auf — »du, meine Seele, du hast mich verlassen . . . Gib mir Antwort, Seele: ich bin so arm . . .«

Es stieg aus dem Herzen auf:

»Vor dir kniet mein zerrissenes Leben . . . Gedenke meiner: ich bin so arm

. . .«

Die Gestalt blieb stehen; sie streckte flehend die Hände gegen die leeren

phosphoreszierenden Stellen zwischen den Ästen; sie streckte die Hände gegen

das Licht, das dort aus dem Garten des kleinen Landhauses schimmerte:

»Aber höre, höre: auf einen bloßen Verdacht hin . . . Ohne seine Erklärung

abzuwarten . . .«

Eine befehlende Hand zeigte gegen das erleuchtete Fenster hinter den

schwarzen, knirschenden Sträuchern.

Da schrie die schwärzliche Gestalt plötzlich auf und stürmte vorwärts; und

hinter ihr her stürzten die schwarzen Astgebilde, die zusammen mit dem

sandigen Strand ein seltsames Ganze bildeten, aus dem heraus schauerliche,

undefinierbare, nirgends vorhandene Bedeutungen entstanden; die schwärzliche

Gestalt rannte mit der Brust an das Gitter eines Gartens an; sie kletterte über das

Gitter und glitt lautlos, mit den Stiefeln an den bereiften Gräsern hängen

bleibend zum grauen Haus, wo sie erst vor kurzem gewesen, wo aber jetzt alles

für sie — ganz anders war.

Vorsichtig schlich sich die Gestalt bis zur Terrasse vor und drückte die Hand

an die Brust; mit zwei Sprüngen war sie dann an der Glastür; der Vorhang war

nicht zugezogen; hinter dem Fenster breitete sich Licht.

Dort sah man . . . —

Auf dem Tisch stand der Samowar; daneben stand ein Teller mit dem Rest

eines Koteletts; man sah eine Frauennase und dazu ein unangenehmes, etwas

verlegenes, verstimmtes Gesicht. Mit einem Arm auf den Tisch gestützt saß dort

Lipantschenko; der andere Arm hing frei vom Sessel herunter, auffallend war die

Breite der Handfläche, die Kürze der fünf Finger, die wie abgehackt aussahen

. . . —

In zwei Sprüngen befand sich die schwarze Gestalt wieder in den Büschen; sie

wurde von unbeschreiblichem Mitleid erfaßt; der Wind seufzte in den Zweigen;

die Gestalt flüsterte leidenschaftlich in den Busch:

»Das geht doch nicht so einfach . . . Das geht doch nicht . . . Es ist ja noch

nichts bewiesen . . .«

Lipantschenko wandte sich von der seufzenden Sofja Sacharowna ab und

streckte die Hand nach der — denken Sie sich nur! — an der Wand hängenden

Geige.

»Man hat draußen allerlei Unannehmlichkeiten zu ertragen, nun kommt man

nach Hause und — nein so was . . .«

Er griff nach dem Stück Harz und begann wütend damit über den Bogen zu

fahren; mit schüchterner Grimasse, die seiner Stellung in der Partei keinesfalls

entsprach, begann er die Saiten zu probieren:

»Da kommt man einem mit verweintem Gesicht entgegen . . .«

Er drückte die Geige gegen den Leib und beugte sich über sie, tief; das breite

Ende auf die Knie gestützt hielt er das schmale mit dem Kinn fest und zog an

einer Saite:

Don! tönte es.

Sein Kopf neigte sich auf die Seite; mit fragendem, halb listigem, halb

wehmütigem Ausdruck sah er Sofja Sacharowna an und schnalzte mit der

Zunge; als ob er fragen wollte:

»Haben Sie gehört? Haben Sie gehört?«

Sie saß auf einem Stuhl; mit halb gerührtem, halb verärgertem Gesicht sah sie

auf Lipantschenko und auf seine Finger, die die Saiten spannten.

»So ist’s besser!«

Und er lächelte; beide lächelten; beide nickten einander zu; er mit verjüngtem

Gesichtsausdruck; sie mit einer Verlegenheit, hinter der sich Stolz und

Verehrung verbarg.

»Ach, was sind Sie doch für ein unverbesserliches Kind!«

Bei diesen Worten drehte Lipantschenko, trotzdem er einem Nashorn

ungemein ähnlich sah, mit behender, rascher Bewegung der linken Hand seine

Geige um, drückte blitzschnell den breiten Geigenrand gegen die Schulter, auf

die sein dicker Kopf niederfiel; die Finger umklammerten die Geigensehnen:

»Na also!«

Die Hand mit dem Bogen machte eine schwungvolle Bewegung und blieb —

erstarb — in der Luft; mit zartester Berührung glitt dann der Bogen über die

Saiten, ihm folgte die linke Hand, dann der ganze Arm; auch der Kopf und

schließlich der ganze Körper neigten sich auf die Seite, dem Bogen nach.

Der Sessel unter Lipantschenko knirschte; dieser konzentrierte seine ganze

Kraft darauf, einen recht zarten Ton von sich zu geben; im Zimmer erklang

plötzlich seine heisere, aber nicht unangenehme Baßstimme:

»Laas aab von miir . . .«, sang Lipantschenko.

»Es ist umsonst«, fielen die zarten, leise seufzenden Saiten ein.

». . . aab von miir«, sang mit auf die Seite geneigtem Körper Lipantschenko,

der in dem unstillbaren Bestreben aufzugehen schien: einen recht zarten Ton von

sich zu geben.

In ihrer Jugend hatten sie oft zusammen diese Romanze gesungen, die man

jetzt nicht mehr singt.

 

»Tsss!«

»Hörst du?«

»Das Fenster?«

»Ich will nachsehen, was das war.«

 

Der Busch kochte. Ein runder, stirnloser Knorren streckte sich gegen den Mond,

vom einzigen Streben erfüllt: begreifen, um jeden Preis begreifen; begreifen

oder in Stücke zerfallen; vom astreichen Stamm erhob sich dieser alte, stirnlose

Knorren, von Moos und krustiger Rinde überwuchert; er streckte sich gegen den

Wind; er flehte um Schonung — um Schonung, sei was will. Vom ästigen

Stamm löste sich wieder die kleine Gestalt; sie schlich sich zum Fenster; jetzt

war ihr der Rückzug abgeschnitten; es blieb ihr nichts weiter übrig als: das

Begonnene zu vollenden. Jetzt befand sie sich . . . in Lipantschenkos

Schlafzimmer. Voll Ungeduld erwartete sie sein Hereintreten.

 

Auch Schufte haben das Bedürfnis, sich ein Schwanenlied zu singen.

»Die Ve—erlok—kungen— früüheerer Taa—ge, sie sind deem Ent—

täuschten freemd . . . Ich glau—beee den Schwüü—reen niicht mehr . . .«

»Ich glau—be—der—Liiebe nicht meeehr . . .«

Wußte er, was er sang? Und was er spielte? — Und warum er so traurig war?

Warum seine Kehle sich schmerzhaft zusammenzog? . . . Lipantschenko

verstand das ebensowenig, wie er die sanften Töne nicht verstand, die er aus der

Geige hervorbrachte . . . Nein, sein Stirnknochen konnte es nicht verstehen:

seine Stirn war schmal, mit Querfalten bedeckt: sie schien zu weinen.

So hat Lipantschenko an einem oktoberlichen Abend sein Schwanenlied

gesungen.

 

Und? . . .

So!

Nun war er mit dem Singen und Spielen fertig; er legte die Geige auf den

Tisch, wischte sich den Schweiß vom Gesicht; langsam wiegte sich sein

unanständiger, spinnenartiger, fünfundvierzigjähriger Bauch; endlich nahm er ein Licht und begab sich in sein Schlafgemach; auf der Schwelle drehte er sich

noch einmal um, seufzte und überlegte sich etwas; Lipantschenkos ganze Gestalt

sprach eine dumpfe, heimliche Trauer.

Und — er versank in Dunkelheit.

Die Kerzenflamme zerschnitt die vollständige Dunkelheit des Zimmers; das

rotgelbe Licht verteilte sich in der höllischen Finsternis; und wie Radien um ein

tanzendes Lichtzentrum bewegten sich Teile der Dunkelheit als Schatten der hier

befindlichen Gegenstände; und hinter den dunklen, langgezogenen Dreiecken

und den Schatten der Gegenstände erhob sich, von den Füßen Lipantschenkos

jäh hervorgekrochen, die dicke Schattengestalt und begann sich geschäftig rasch

im Kreise zu bewegen.

Über den Tisch und den Stuhl schwang sich die stumme, häßliche

Schattengestalt auf die Wandfläche, in schräge Dreiecke zerteilt, qualvoll

zerrissen, als ertrüge sie jetzt schon alle Qualen der Vorhölle.

So wird die Seele, den Körper wie einen unnötigen Ballast von sich

abwerfend, von seelischen Wirbelstürmen erfaßt: die Wirbelstürme jagen den

Seelenraum. Unser Körper ist nur ein Schifflein; und er rast durch den

Seelenozean vom geistigen Festland zum — geistigen Festland.

So . . . —

Denken Sie sich ein unendlich langes Seil; und denken Sie sich Ihren Körper

in der Mitte an das Seil festgebunden; dann wird das Seil um sich selbst gedreht

— mit rasender, unbeschreiblicher, fabelhafter Geschwindigkeit; losgelassen

beginnen Sie dann in immer sich erweiternden Kreisen, den Kopf nach unten,

durch den Raum zu fliegen; Spiralen bildend fliegen Sie immer weiter bis zu den

luftleeren Atmosphären; und Sie werden dann, ein Erdentrabant, sich immer

weiter von der Erde entfernen und in die kosmischen Unermeßlichkeiten fliegen,

den kosmischen Raum im Nu überwindend und zu diesem Raum selbst werdend.

Von so einem Wirbelsturm werden Sie erfaßt, wenn Ihre Seele den Körper als

unnötigen Ballast von sich geworfen hat.

Dann: stellen Sie sich noch vor, daß jeder einzelne Punkt Ihres Körpers den

wahnsinnigen Trieb bekommt, sich auszubreiten, sich maßlos grauenhaft

auszubreiten (z. B. den Platz der Saturnbahn im Durchmesser einzunehmen);

und denken Sie sich, daß sie dabei nicht einen Punkt Ihres Körpers, sondern alle

zugleich empfinden, die aber bis zu solchem Grade erhitzt, verdünnt sind, daß

Sonne und Planeten ganz frei zwischen den Molekülen Ihres Körpers

hindurchgehen; denken Sie sich auch noch, daß Sie Ihre zentripetale Kraft völlig

verloren haben und Ihr Körper in seinem Ausbreitungsbestreben in Teile

zerrissen wird, einheitlich aber dabei nur das Bewußtsein bleibt: das Bewußtsein

der zerrissenen Empfindungen.

Wie wären dann Ihre Empfindungen?

Wenn Sie sich diese Empfindungen körperlich vorstellen könnten, dann hätten

Sie ein Bild von dem Leben der Seele bekommen, in ihrem ersten Stadium,

nachdem sie sich vom Körper befreit . . .

 

Lipantschenko blieb in der Mitte des tanzenden Zimmers mit der flackernden

Kerze in der Hand stehen; der massige Schattenkörper, Lipantschenkos Seele,

hing mit dem Kopfe an der Zimmerdecke; Lipantschenko hatte weder für seinen

Schatten noch für die Schatten der Gegenstände irgendwelches Interesse. Ihn

interessierte vielmehr ein bekanntes und gar nicht geheimnisvolles Geräusch.

Er empfand einen besonderen Ekel vor Schaben; und jetzt sah er Dutzende

dieser Geschöpfe; vom Licht überrascht huschten sie eilig in ihre Löcher zurück;

und — Lipantschenko ärgerte sich:

»Ihr Verfluchten! . . .«

Er holte aus der Ecke einen Besen mit langem Stiel, den er dort stehen hatte.

»Na, wartet nur! . . .«

Er stellte die Kerze auf den Fußboden; mit dem Besen bewaffnet, erkletterte er

einen Stuhl; der schwere, keuchende Körper streckte sich jetzt nach oben; die

Blutgefäße schwollen ihm vor Anstrengung an, die Muskeln wurden ordentlich

dick; er jagte mit dem Besen wie besessen hinter dem Haufen davoneilender

Schaben her; eins — zwei — drei! — und es knackte unter dem Besen: knack,

knack, an den Wänden, an der Zimmerdecke, in der Ecke, da, wo die Etagere

stand.

»Acht . . . zehn . . . elf . . .« hörte man ein Flüstern; und nach jedem Knacken

fielen schwarze Flecke auf den Boden.

Jeden Abend vor dem Schlafengehen vernichtete er gewohnheitsmäßig einen

Haufen Schaben; dann erst begab er sich zu Bett.

Ehe er sich zu entkleiden begann, leuchtete er mit der Kerze unter das Bett

(seit einiger Zeit war ihm das zur Gewohnheit geworden).

Jetzt saß er auf dem Bett mit auseinandergehaltenen Beinen, haarig und nackt;

deutlich zeichneten sich auf seiner Brust die weiblich runden Formen.

Lipantschenko schlief nackt.

Der Kerze schräg gegenüber, zwischen der Fensterecke und dem Schrank, trat

aus dem Dunkel der Nische eine sonderbare Figur hervor: die eine dort hängende

Hose bildete; immer nahm sie die Gestalt — des sie Anblickenden an;

wiederholt hatte Lipantschenko den Platz für seine Hose gewechselt; doch kam

immer dasselbe heraus: immer nahm sie die Gestalt des sie Anblickenden an.

Das erblickte er auch jetzt.

Und als er seine Kerze ausgelöscht hatte, bewegte sich die Gestalt und zeichnete sich noch deutlicher vor ihm; er streckte die Hand nach dem Vorhang

aus; kupfergrünes Licht ergoß sich ins Zimmer, von dort her, aus der Ferne, aus

dem weißen Blei der Wölkchen stürzte die flammende Scheibe ins Zimmer

herein; und . . .

Dort, vor der kupfergrünen Wand — dort! — stand die kleine Gestalt, mit

kreidigem, totem Gesicht: wie ein — Clown; und lächelte mit weißen Lippen.

Mit nackten Füßen eilte Lipantschenko zur Tür; er vergaß, daß er dieselbe

geschlossen hatte, und stieß mit Brust und Bauch gegen sie an; da aber wurde er

plötzlich zurückgerissen; ein siedend heißer Strahl übergoß seinen nackten

Rücken vom Schulterblatt bis unten; er fiel aufs Bett, und es wurde ihm klar, daß

ihm der Rücken durchschnitten wurde; so wird die weiße glatte Haut eines

Ferkels durchschnitten; kaum hatte er begriffen, was mit ihm geschehen war, als

er denselben siedenden Strahl — unter dem Nabel fühlte.

Und etwas zischte dort spöttisch hervor; irgendwo tauchte in ihm der Gedanke

auf, daß es Gase wären, da ja sein Bauch aufgeschlitzt war; den Kopf über den

unsinnig vorstehenden Bauch gebeugt, sank er schläfrig in sich zusammen und

fuhr mit der Hand über die klebrige Flüssigkeit — auf seinem Bauch und auf

dem Bettuch.

Das war Lipantschenkos letzter, bewußter Eindruck von der banalen

Wirklichkeit; jetzt entströmte allmählich das Bewußtsein; seine ungeheure

Peripherie sog in sich die Planeten ein; und empfand sie — als ihm gehörige,

voneinander getrennte Organe; in den Erweiterungen des Herzens schwamm die

Sonne; die Wirbelsäule glühte von der Berührung der Saturnmassen; im Bauch

öffnete sich ein Vulkan.

Währenddessen saß der Körper mit sinnlos auf die Brust heruntergesunkenem

Kopf, die Pupillen auf den eigenen, geschlitzten Bauch gerichtet; plötzlich fiel er

um, mit dem Bauch gegen das Bettuch; der herunterhängende Arm berührte den

mit Blut bedeckten Bettvorleger; der Kopf mit abstehendem Kiefer drehte sich

seitwärts gegen die Wand und starrte mit unbeweglichen Pupillen die Tür an; die

haarlosen Brauenbogen schimmerten in fettigem Glanz; auf dem Bettuch

zeichneten sich die Spuren von fünf blutigen Fingern; irgendwo heraus ragte

eine dicke Ferse.

 

Der Busch kochte; weißmähnige Streifen flogen von der Bucht her; sie

erreichten das Ufer als bauschige Gischt; sie leckten den Sand; wie fein

geschliffene, gläserne Messerschneiden glitten sie über den Sand; sie erreichten

die kleinen, salzigen Teiche, füllten sie mit gelöstem Salz und liefen zurück.

Durch das Astwerk des Busches sah man ein Fahrzeug auf den Wellen schaukeln

— türkisblau, gespensterisch; seine spitzflügeligen Segel schnitten dünne Schichten von der Luft ab; der neblige Dunst schien auf der Oberfläche der

Segel verdickt.

 

Als man am Morgen eintrat, gab es keinen Lipantschenko mehr, es gab nur —

eine Blutlache, eine Leiche; dann fand man hier eine männliche Gestalt mit

lächelndem, weißem Gesicht; diese Gestalt hatte ein kleines Schnurrbärtchen;

das war nach oben gedreht; ganz seltsam: der Mann saß rittlings auf dem Toten;

er hielt in der Hand eine Schere; diese Hand streckte er vor, von der Nase her

über die Lippen kroch ihm eine Schabe.

Er schien geistesgestört zu sein.

 

Ende des siebenten Kapitels.