Petersburg
Das Schwanenlied
Ohren — selbst diese sind gewaltig gewachsen; gibt es doch in der Welt
einfache, anständig aussehende alte Leute? Und er ist ja noch nicht einmal ein
alter Mann.
Was hast du gemacht, Zeit?
Der blonde zwanzigjährige Student mit rosiger Gesichtsfarbe, Lipensky: —
gespensterisch aufquellend hatte er sich allmählich in einen
fünfundvierzigjährigen, unanständigen Spinnenbauch verwandelt, der
Lipantschenko hieß.
Das Schwanenlied
Der Busch kochte . . . Auf dem sandigen Strand krümmten sich da und dort
kleine Teiche mit salzigem Wasser.
Von der Bucht her flogen immerzu weißmähnige Streifen; der Mond beschien
sie, einen Streifen nach dem anderen, die in der Ferne aufstiegen und brodelten;
dann flogen sie gegen den Strand und zerschellten hier in gischtige Flocken; die
von der Bucht kommenden Streifen breiteten sich glatt auf dem flachen Strand
— resigniert, durchsichtig; sie leckten den Sand, schnitten Stücke von ihm los:
wurmten ihn; wie eine fein geschliffene, gläserne Säbelschneide glitt jeder von
ihnen über den Sand hin; hie und da erreichte der gläserne Streifen die salzigen
Teiche, sie mit salzgetränktem Wasser füllend.
Und schon lief er zurück; ein neuer brodelnd gischtiger Streifen löste ihn ab.
Der Busch kochte . . .
Hunderte von Sträuchern, hier — dort; in einiger Entfernung vom Meer
streckten sie ihre knorrigen Arme vor; diese entblätterten Arme erhoben sich wie
Bewegungen Geistesgestörter in der Luft; eine kleine schwarze Gestalt lief
ängstlich hin und her zwischen den Sträuchern; im Sommer strömten sie ein
süßes, leise raunendes Geflüster aus; jetzt war das Geflüster vertrocknet, und nur
ein Knirschen und Ächzen erhob sich von der Stelle; Nebel stiegen da auf;
Feuchtigkeiten stiegen da auf; die knorrigen Äste streckten sich aus dem Nebel
und der Feuchtigkeit; neben der kleinen Gestalt streckte sich so ein vertrockneter
Arm vor, von dünnen Ruten wie von Wolle überdeckt.
Die Gestalt neigte sich gegen einen Stamm, eingehüllt in schwarze
Feuchtigkeit; sie versank in bittere Gedanken; und der widerspenstige Kopf fiel
auf die Hände.
»Du, meine Seele,« — stieg es aus dem Herzen auf — »du, meine Seele, du hast mich verlassen . . . Gib mir Antwort, Seele: ich bin so arm . . .«
Es stieg aus dem Herzen auf:
»Vor dir kniet mein zerrissenes Leben . . . Gedenke meiner: ich bin so arm
. . .«
Die Gestalt blieb stehen; sie streckte flehend die Hände gegen die leeren
phosphoreszierenden Stellen zwischen den Ästen; sie streckte die Hände gegen
das Licht, das dort aus dem Garten des kleinen Landhauses schimmerte:
»Aber höre, höre: auf einen bloßen Verdacht hin . . . Ohne seine Erklärung
abzuwarten . . .«
Eine befehlende Hand zeigte gegen das erleuchtete Fenster hinter den
schwarzen, knirschenden Sträuchern.
Da schrie die schwärzliche Gestalt plötzlich auf und stürmte vorwärts; und
hinter ihr her stürzten die schwarzen Astgebilde, die zusammen mit dem
sandigen Strand ein seltsames Ganze bildeten, aus dem heraus schauerliche,
undefinierbare, nirgends vorhandene Bedeutungen entstanden; die schwärzliche
Gestalt rannte mit der Brust an das Gitter eines Gartens an; sie kletterte über das
Gitter und glitt lautlos, mit den Stiefeln an den bereiften Gräsern hängen
bleibend zum grauen Haus, wo sie erst vor kurzem gewesen, wo aber jetzt alles
für sie — ganz anders war.
Vorsichtig schlich sich die Gestalt bis zur Terrasse vor und drückte die Hand
an die Brust; mit zwei Sprüngen war sie dann an der Glastür; der Vorhang war
nicht zugezogen; hinter dem Fenster breitete sich Licht.
Dort sah man . . . —
Auf dem Tisch stand der Samowar; daneben stand ein Teller mit dem Rest
eines Koteletts; man sah eine Frauennase und dazu ein unangenehmes, etwas
verlegenes, verstimmtes Gesicht. Mit einem Arm auf den Tisch gestützt saß dort
Lipantschenko; der andere Arm hing frei vom Sessel herunter, auffallend war die
Breite der Handfläche, die Kürze der fünf Finger, die wie abgehackt aussahen
. . . —
In zwei Sprüngen befand sich die schwarze Gestalt wieder in den Büschen; sie
wurde von unbeschreiblichem Mitleid erfaßt; der Wind seufzte in den Zweigen;
die Gestalt flüsterte leidenschaftlich in den Busch:
»Das geht doch nicht so einfach . . . Das geht doch nicht . . . Es ist ja noch
nichts bewiesen . . .«
Lipantschenko wandte sich von der seufzenden Sofja Sacharowna ab und
streckte die Hand nach der — denken Sie sich nur! — an der Wand hängenden
Geige.
»Man hat draußen allerlei Unannehmlichkeiten zu ertragen, nun kommt man
nach Hause und — nein so was . . .«
Er griff nach dem Stück Harz und begann wütend damit über den Bogen zu
fahren; mit schüchterner Grimasse, die seiner Stellung in der Partei keinesfalls
entsprach, begann er die Saiten zu probieren:
»Da kommt man einem mit verweintem Gesicht entgegen . . .«
Er drückte die Geige gegen den Leib und beugte sich über sie, tief; das breite
Ende auf die Knie gestützt hielt er das schmale mit dem Kinn fest und zog an
einer Saite:
Don! tönte es.
Sein Kopf neigte sich auf die Seite; mit fragendem, halb listigem, halb
wehmütigem Ausdruck sah er Sofja Sacharowna an und schnalzte mit der
Zunge; als ob er fragen wollte:
»Haben Sie gehört? Haben Sie gehört?«
Sie saß auf einem Stuhl; mit halb gerührtem, halb verärgertem Gesicht sah sie
auf Lipantschenko und auf seine Finger, die die Saiten spannten.
»So ist’s besser!«
Und er lächelte; beide lächelten; beide nickten einander zu; er mit verjüngtem
Gesichtsausdruck; sie mit einer Verlegenheit, hinter der sich Stolz und
Verehrung verbarg.
»Ach, was sind Sie doch für ein unverbesserliches Kind!«
Bei diesen Worten drehte Lipantschenko, trotzdem er einem Nashorn
ungemein ähnlich sah, mit behender, rascher Bewegung der linken Hand seine
Geige um, drückte blitzschnell den breiten Geigenrand gegen die Schulter, auf
die sein dicker Kopf niederfiel; die Finger umklammerten die Geigensehnen:
»Na also!«
Die Hand mit dem Bogen machte eine schwungvolle Bewegung und blieb —
erstarb — in der Luft; mit zartester Berührung glitt dann der Bogen über die
Saiten, ihm folgte die linke Hand, dann der ganze Arm; auch der Kopf und
schließlich der ganze Körper neigten sich auf die Seite, dem Bogen nach.
Der Sessel unter Lipantschenko knirschte; dieser konzentrierte seine ganze
Kraft darauf, einen recht zarten Ton von sich zu geben; im Zimmer erklang
plötzlich seine heisere, aber nicht unangenehme Baßstimme:
»Laas aab von miir . . .«, sang Lipantschenko.
»Es ist umsonst«, fielen die zarten, leise seufzenden Saiten ein.
». . . aab von miir«, sang mit auf die Seite geneigtem Körper Lipantschenko,
der in dem unstillbaren Bestreben aufzugehen schien: einen recht zarten Ton von
sich zu geben.
In ihrer Jugend hatten sie oft zusammen diese Romanze gesungen, die man
jetzt nicht mehr singt.
»Tsss!«
»Hörst du?«
»Das Fenster?«
»Ich will nachsehen, was das war.«
Der Busch kochte. Ein runder, stirnloser Knorren streckte sich gegen den Mond,
vom einzigen Streben erfüllt: begreifen, um jeden Preis begreifen; begreifen
oder in Stücke zerfallen; vom astreichen Stamm erhob sich dieser alte, stirnlose
Knorren, von Moos und krustiger Rinde überwuchert; er streckte sich gegen den
Wind; er flehte um Schonung — um Schonung, sei was will. Vom ästigen
Stamm löste sich wieder die kleine Gestalt; sie schlich sich zum Fenster; jetzt
war ihr der Rückzug abgeschnitten; es blieb ihr nichts weiter übrig als: das
Begonnene zu vollenden. Jetzt befand sie sich . . . in Lipantschenkos
Schlafzimmer. Voll Ungeduld erwartete sie sein Hereintreten.
Auch Schufte haben das Bedürfnis, sich ein Schwanenlied zu singen.
»Die Ve—erlok—kungen— früüheerer Taa—ge, sie sind deem Ent—
täuschten freemd . . . Ich glau—beee den Schwüü—reen niicht mehr . . .«
»Ich glau—be—der—Liiebe nicht meeehr . . .«
Wußte er, was er sang? Und was er spielte? — Und warum er so traurig war?
Warum seine Kehle sich schmerzhaft zusammenzog? . . . Lipantschenko
verstand das ebensowenig, wie er die sanften Töne nicht verstand, die er aus der
Geige hervorbrachte . . . Nein, sein Stirnknochen konnte es nicht verstehen:
seine Stirn war schmal, mit Querfalten bedeckt: sie schien zu weinen.
So hat Lipantschenko an einem oktoberlichen Abend sein Schwanenlied
gesungen.
Und? . . .
So!
Nun war er mit dem Singen und Spielen fertig; er legte die Geige auf den
Tisch, wischte sich den Schweiß vom Gesicht; langsam wiegte sich sein
unanständiger, spinnenartiger, fünfundvierzigjähriger Bauch; endlich nahm er ein Licht und begab sich in sein Schlafgemach; auf der Schwelle drehte er sich
noch einmal um, seufzte und überlegte sich etwas; Lipantschenkos ganze Gestalt
sprach eine dumpfe, heimliche Trauer.
Und — er versank in Dunkelheit.
Die Kerzenflamme zerschnitt die vollständige Dunkelheit des Zimmers; das
rotgelbe Licht verteilte sich in der höllischen Finsternis; und wie Radien um ein
tanzendes Lichtzentrum bewegten sich Teile der Dunkelheit als Schatten der hier
befindlichen Gegenstände; und hinter den dunklen, langgezogenen Dreiecken
und den Schatten der Gegenstände erhob sich, von den Füßen Lipantschenkos
jäh hervorgekrochen, die dicke Schattengestalt und begann sich geschäftig rasch
im Kreise zu bewegen.
Über den Tisch und den Stuhl schwang sich die stumme, häßliche
Schattengestalt auf die Wandfläche, in schräge Dreiecke zerteilt, qualvoll
zerrissen, als ertrüge sie jetzt schon alle Qualen der Vorhölle.
So wird die Seele, den Körper wie einen unnötigen Ballast von sich
abwerfend, von seelischen Wirbelstürmen erfaßt: die Wirbelstürme jagen den
Seelenraum. Unser Körper ist nur ein Schifflein; und er rast durch den
Seelenozean vom geistigen Festland zum — geistigen Festland.
So . . . —
Denken Sie sich ein unendlich langes Seil; und denken Sie sich Ihren Körper
in der Mitte an das Seil festgebunden; dann wird das Seil um sich selbst gedreht
— mit rasender, unbeschreiblicher, fabelhafter Geschwindigkeit; losgelassen
beginnen Sie dann in immer sich erweiternden Kreisen, den Kopf nach unten,
durch den Raum zu fliegen; Spiralen bildend fliegen Sie immer weiter bis zu den
luftleeren Atmosphären; und Sie werden dann, ein Erdentrabant, sich immer
weiter von der Erde entfernen und in die kosmischen Unermeßlichkeiten fliegen,
den kosmischen Raum im Nu überwindend und zu diesem Raum selbst werdend.
Von so einem Wirbelsturm werden Sie erfaßt, wenn Ihre Seele den Körper als
unnötigen Ballast von sich geworfen hat.
Dann: stellen Sie sich noch vor, daß jeder einzelne Punkt Ihres Körpers den
wahnsinnigen Trieb bekommt, sich auszubreiten, sich maßlos grauenhaft
auszubreiten (z. B. den Platz der Saturnbahn im Durchmesser einzunehmen);
und denken Sie sich, daß sie dabei nicht einen Punkt Ihres Körpers, sondern alle
zugleich empfinden, die aber bis zu solchem Grade erhitzt, verdünnt sind, daß
Sonne und Planeten ganz frei zwischen den Molekülen Ihres Körpers
hindurchgehen; denken Sie sich auch noch, daß Sie Ihre zentripetale Kraft völlig
verloren haben und Ihr Körper in seinem Ausbreitungsbestreben in Teile
zerrissen wird, einheitlich aber dabei nur das Bewußtsein bleibt: das Bewußtsein
der zerrissenen Empfindungen.
Wie wären dann Ihre Empfindungen?
Wenn Sie sich diese Empfindungen körperlich vorstellen könnten, dann hätten
Sie ein Bild von dem Leben der Seele bekommen, in ihrem ersten Stadium,
nachdem sie sich vom Körper befreit . . .
Lipantschenko blieb in der Mitte des tanzenden Zimmers mit der flackernden
Kerze in der Hand stehen; der massige Schattenkörper, Lipantschenkos Seele,
hing mit dem Kopfe an der Zimmerdecke; Lipantschenko hatte weder für seinen
Schatten noch für die Schatten der Gegenstände irgendwelches Interesse. Ihn
interessierte vielmehr ein bekanntes und gar nicht geheimnisvolles Geräusch.
Er empfand einen besonderen Ekel vor Schaben; und jetzt sah er Dutzende
dieser Geschöpfe; vom Licht überrascht huschten sie eilig in ihre Löcher zurück;
und — Lipantschenko ärgerte sich:
»Ihr Verfluchten! . . .«
Er holte aus der Ecke einen Besen mit langem Stiel, den er dort stehen hatte.
»Na, wartet nur! . . .«
Er stellte die Kerze auf den Fußboden; mit dem Besen bewaffnet, erkletterte er
einen Stuhl; der schwere, keuchende Körper streckte sich jetzt nach oben; die
Blutgefäße schwollen ihm vor Anstrengung an, die Muskeln wurden ordentlich
dick; er jagte mit dem Besen wie besessen hinter dem Haufen davoneilender
Schaben her; eins — zwei — drei! — und es knackte unter dem Besen: knack,
knack, an den Wänden, an der Zimmerdecke, in der Ecke, da, wo die Etagere
stand.
»Acht . . . zehn . . . elf . . .« hörte man ein Flüstern; und nach jedem Knacken
fielen schwarze Flecke auf den Boden.
Jeden Abend vor dem Schlafengehen vernichtete er gewohnheitsmäßig einen
Haufen Schaben; dann erst begab er sich zu Bett.
Ehe er sich zu entkleiden begann, leuchtete er mit der Kerze unter das Bett
(seit einiger Zeit war ihm das zur Gewohnheit geworden).
Jetzt saß er auf dem Bett mit auseinandergehaltenen Beinen, haarig und nackt;
deutlich zeichneten sich auf seiner Brust die weiblich runden Formen.
Lipantschenko schlief nackt.
Der Kerze schräg gegenüber, zwischen der Fensterecke und dem Schrank, trat
aus dem Dunkel der Nische eine sonderbare Figur hervor: die eine dort hängende
Hose bildete; immer nahm sie die Gestalt — des sie Anblickenden an;
wiederholt hatte Lipantschenko den Platz für seine Hose gewechselt; doch kam
immer dasselbe heraus: immer nahm sie die Gestalt des sie Anblickenden an.
Das erblickte er auch jetzt.
Und als er seine Kerze ausgelöscht hatte, bewegte sich die Gestalt und zeichnete sich noch deutlicher vor ihm; er streckte die Hand nach dem Vorhang
aus; kupfergrünes Licht ergoß sich ins Zimmer, von dort her, aus der Ferne, aus
dem weißen Blei der Wölkchen stürzte die flammende Scheibe ins Zimmer
herein; und . . .
Dort, vor der kupfergrünen Wand — dort! — stand die kleine Gestalt, mit
kreidigem, totem Gesicht: wie ein — Clown; und lächelte mit weißen Lippen.
Mit nackten Füßen eilte Lipantschenko zur Tür; er vergaß, daß er dieselbe
geschlossen hatte, und stieß mit Brust und Bauch gegen sie an; da aber wurde er
plötzlich zurückgerissen; ein siedend heißer Strahl übergoß seinen nackten
Rücken vom Schulterblatt bis unten; er fiel aufs Bett, und es wurde ihm klar, daß
ihm der Rücken durchschnitten wurde; so wird die weiße glatte Haut eines
Ferkels durchschnitten; kaum hatte er begriffen, was mit ihm geschehen war, als
er denselben siedenden Strahl — unter dem Nabel fühlte.
Und etwas zischte dort spöttisch hervor; irgendwo tauchte in ihm der Gedanke
auf, daß es Gase wären, da ja sein Bauch aufgeschlitzt war; den Kopf über den
unsinnig vorstehenden Bauch gebeugt, sank er schläfrig in sich zusammen und
fuhr mit der Hand über die klebrige Flüssigkeit — auf seinem Bauch und auf
dem Bettuch.
Das war Lipantschenkos letzter, bewußter Eindruck von der banalen
Wirklichkeit; jetzt entströmte allmählich das Bewußtsein; seine ungeheure
Peripherie sog in sich die Planeten ein; und empfand sie — als ihm gehörige,
voneinander getrennte Organe; in den Erweiterungen des Herzens schwamm die
Sonne; die Wirbelsäule glühte von der Berührung der Saturnmassen; im Bauch
öffnete sich ein Vulkan.
Währenddessen saß der Körper mit sinnlos auf die Brust heruntergesunkenem
Kopf, die Pupillen auf den eigenen, geschlitzten Bauch gerichtet; plötzlich fiel er
um, mit dem Bauch gegen das Bettuch; der herunterhängende Arm berührte den
mit Blut bedeckten Bettvorleger; der Kopf mit abstehendem Kiefer drehte sich
seitwärts gegen die Wand und starrte mit unbeweglichen Pupillen die Tür an; die
haarlosen Brauenbogen schimmerten in fettigem Glanz; auf dem Bettuch
zeichneten sich die Spuren von fünf blutigen Fingern; irgendwo heraus ragte
eine dicke Ferse.
Der Busch kochte; weißmähnige Streifen flogen von der Bucht her; sie
erreichten das Ufer als bauschige Gischt; sie leckten den Sand; wie fein
geschliffene, gläserne Messerschneiden glitten sie über den Sand; sie erreichten
die kleinen, salzigen Teiche, füllten sie mit gelöstem Salz und liefen zurück.
Durch das Astwerk des Busches sah man ein Fahrzeug auf den Wellen schaukeln
— türkisblau, gespensterisch; seine spitzflügeligen Segel schnitten dünne Schichten von der Luft ab; der neblige Dunst schien auf der Oberfläche der
Segel verdickt.
Als man am Morgen eintrat, gab es keinen Lipantschenko mehr, es gab nur —
eine Blutlache, eine Leiche; dann fand man hier eine männliche Gestalt mit
lächelndem, weißem Gesicht; diese Gestalt hatte ein kleines Schnurrbärtchen;
das war nach oben gedreht; ganz seltsam: der Mann saß rittlings auf dem Toten;
er hielt in der Hand eine Schere; diese Hand streckte er vor, von der Nase her
über die Lippen kroch ihm eine Schabe.
Er schien geistesgestört zu sein.
Ende des siebenten Kapitels.