Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 44 von 103

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Petersburg

Zu Ende getanzt

den würdigen, alten Herrn von Nashornumfang, der als Besuch im Hause weilte

(ein Verwandter von Koko). Endlich erscholl das langersehnte Klingelzeichen,

die Tür des weißleuchtenden Saals tat sich auf, und im festanliegenden Frack trat

der Tapeur ein und stieß beinahe mit dem Offizianten zusammen, den man für

diesen glanzvollen Abend extra engagiert hatte. Der bescheidene Tapeur legte

seine Noten zurecht, schlug den Klavierdeckel bald auf, bald wieder zu, blies

vorsichtig den unsichtbaren Staub von den Tasten und drückte schließlich ohne

plausiblen Grund den glänzenden Lackschuh aufs Pedal; er erinnerte an den

Maschinisten der Lokomotive, der seine Maschine vor dem Verlassen der Station

sorgfältig untersucht. Nachdem er von dem guten Zustande des Instruments

überzeugt war, schob er die Schöße des Fracks auseinander, ließ sich auf das

niedere Taburett nieder, warf den Körper zurück und blieb, die Finger auf den

Tasten, einen Augenblick unbeweglich sitzen — dann aber erschütterten

helltönende Akkorde die Wände, als wäre ein Signal zur Abfahrt gegeben

worden.

 

Zu Ende getanzt

 

Wie gewöhnlich schlichen sich auch heute von Zeit zu Zeit Salongäste durch

den Saal zum Salon — mit wohlwollender Miene schritten sie längs den

Wänden; freche Fächer nippten sie gegen die Brust, perlenverzierte Röcke trafen

sie im Flug, und der heiße Wind wehte ihnen zu von dahinsausenden Paaren; sie

aber schritten lautlos weiter.

Ein rundlicher Herr mit unangenehm blatternarbigem Gesicht durchquerte

zuerst den Saal; sein Rock spannte sich über dem übermäßig runden Bäuchlein;

er war Redakteur einer konservativen Zeitung und entstammte selbst der

liberalen Geistlichkeit. Im Salon angekommen, küßte er das dicke Händchen

Lubow Aleksejewnas, der fünfundvierzigjährigen Wirtin, mit aufgedunsenem

Gesicht, dessen Doppelkinn auf den vom Korsett gestützten Busen fiel.

Kaum hatte die Wirtin eine harmlose Frage an ihn gerichtet, als der dickliche

Redakteur dieselbe zu einer Frage von höchster Bedeutung erhob:

»Sagen Sie es nicht — nein! Denn so denken sie alle, weil sie die reinen

Idioten sind. Ich kann es Ihnen ganz genau beweisen.«

»Aber mein Mann, Koko . . .«

»Das sind alles jüdisch-freimaurerische Schwindeleien, meine Gnädige:

Organisation, Zentralisation . . .«