Petersburg
Zu Ende getanzt
den würdigen, alten Herrn von Nashornumfang, der als Besuch im Hause weilte
(ein Verwandter von Koko). Endlich erscholl das langersehnte Klingelzeichen,
die Tür des weißleuchtenden Saals tat sich auf, und im festanliegenden Frack trat
der Tapeur ein und stieß beinahe mit dem Offizianten zusammen, den man für
diesen glanzvollen Abend extra engagiert hatte. Der bescheidene Tapeur legte
seine Noten zurecht, schlug den Klavierdeckel bald auf, bald wieder zu, blies
vorsichtig den unsichtbaren Staub von den Tasten und drückte schließlich ohne
plausiblen Grund den glänzenden Lackschuh aufs Pedal; er erinnerte an den
Maschinisten der Lokomotive, der seine Maschine vor dem Verlassen der Station
sorgfältig untersucht. Nachdem er von dem guten Zustande des Instruments
überzeugt war, schob er die Schöße des Fracks auseinander, ließ sich auf das
niedere Taburett nieder, warf den Körper zurück und blieb, die Finger auf den
Tasten, einen Augenblick unbeweglich sitzen — dann aber erschütterten
helltönende Akkorde die Wände, als wäre ein Signal zur Abfahrt gegeben
worden.
Zu Ende getanzt
Wie gewöhnlich schlichen sich auch heute von Zeit zu Zeit Salongäste durch
den Saal zum Salon — mit wohlwollender Miene schritten sie längs den
Wänden; freche Fächer nippten sie gegen die Brust, perlenverzierte Röcke trafen
sie im Flug, und der heiße Wind wehte ihnen zu von dahinsausenden Paaren; sie
aber schritten lautlos weiter.
Ein rundlicher Herr mit unangenehm blatternarbigem Gesicht durchquerte
zuerst den Saal; sein Rock spannte sich über dem übermäßig runden Bäuchlein;
er war Redakteur einer konservativen Zeitung und entstammte selbst der
liberalen Geistlichkeit. Im Salon angekommen, küßte er das dicke Händchen
Lubow Aleksejewnas, der fünfundvierzigjährigen Wirtin, mit aufgedunsenem
Gesicht, dessen Doppelkinn auf den vom Korsett gestützten Busen fiel.
Kaum hatte die Wirtin eine harmlose Frage an ihn gerichtet, als der dickliche
Redakteur dieselbe zu einer Frage von höchster Bedeutung erhob:
»Sagen Sie es nicht — nein! Denn so denken sie alle, weil sie die reinen
Idioten sind. Ich kann es Ihnen ganz genau beweisen.«
»Aber mein Mann, Koko . . .«
»Das sind alles jüdisch-freimaurerische Schwindeleien, meine Gnädige:
Organisation, Zentralisation . . .«