Petersburg
Das Verhängnisvolle
Vor ihr stand ihr Gatte, der Offizier; aber wieder lächelte sie verächtlich, hob
leicht ihren spitzenverzierten Panierrock an den Festons und schritt knicksend
zurück; ein leichter Zephir hob sie vor ihm auf seinen Schwingen davon, und ihr
Reifrock wiegte sich gleichmäßig wie eine Glocke und rauschte in süßem
Zephirhauch; in der Tür wandte sie ihm das Gesicht zu und machte dem Offizier
mit der Hand, die die schwarze Maske hielt, schelmisch lächelnd, eine lange
Nase; hinter der Tür hörte man dann lautes Lachen und den lauten wie sonst
ausgesprochenen Befehl:
»Marwruscha, den Mantel!«
Da lief Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin, Leutnant des Gr. Göreischen, Seiner
Majestät Regiment, blaß wie der Tod, doch ganz ruhig, mit ironischem Lächeln
der graziösen Maske vor, schlug die Sporen aneinander und blieb ehrfurchtsvoll
wartend, mit dem befohlenen Mantel in der Hand vor seiner Gattin stehen; mit
noch größerer Ehrfurcht warf er ihr den Pelz um, riß weit die Flügeltür vor ihr
auf, mit verbindlichem Lächeln mit der Hand nach außen zeigend, in die farblose
Dunkelheit; und wie sie rauschend, mit hochgehobener Stirn, an dem ergebenen
Diener vorbeischritt — schlug Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin nochmals die
Sporen aneinander und machte wieder eine tiefe Verbeugung. Die dunkelfarbene
Finsternis ergoß sich über sie — von allen Seiten ergoß sie sich: Lange, lange
noch hörte man das Rauschen auf der Treppe, denn fiel unten die Tür zu;
Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin aber kehrte in die Wohnung zurück und
begann mit denselben übertriebenen scharfen Bewegungen überall die
elektrischen Lichter zu löschen.
Das Verhängnisvolle
Komm mit mir!« bedrängte eine Madame Pompadour Nikolai Apollonowitsch,
und da er Madame Pompadour nicht erkannte, gab er nur unwillig den Arm;
unmerklich spöttisch sah sie ihren roten Kavalier an, und mit zurückgeworfenem
Kopfe legte sie eine Hand in seinen Arm, indessen die andere den Rocksaum aus
hellblau flatterndem Duft hielt und ein reizvolles, silbernes Schuhchen
hervorlugen ließ.
Und nun begann man zu tanzen:
Eins — zwei — drei — und die Taille bog sich, das Füßchen lugte hervor . . .
»Erkennst du mich?«
»Nein.«
»Du scheinst jemand zu suchen?«
Eins — zwei — drei — und wieder ein Wiegen der Taille wie ein Vorschieben
des Füßchens.
»Ich habe einen Brief für dich.«
Dem ersten Paar — Domino und Marquise — folgten Harlekine,
Spanierinnen, perlmutterblasse Fräuleins, Juristen, Husaren und willenlose
Mullgeschöpfe: Nackte Schultern, silberige Rücken und Schärpen.
Allmählich legte sich die eine Hand des roten Dominos um ihre hellblaue
Taille, und während er mit der zweiten die der Dame ergriff, ließ diese den Brief
in seine Hand übergleiten; und im gleichen Augenblick legten sich dunkelgrüne,
schwarze und husarenrote Arme aller anderen Kavaliere um die schlanken,
weißen, heliotropfarbenen, seidenknisternden Gewänder, und alles begann sich
im Tanze zu drehen.
Der weißbärtige Wirt aber brüllte:
»A vos places!«
Und hinter ihm her flog ein willenloser Backfisch.