Petersburg
Ihre Schuhchen trippelten
»Bleiben gnädige Frau bei uns?«
»Ich? . . . Ich wohne im Hotel.«
Im zerfließenden Grau tauchten plötzlich matte, wie verwundert blickende
Punkte auf: Lichter, Lichtchen; Lichter, Lichtchen reihten sich aneinander und
sprangen dann als rötliche Flecken aus der Dunkelheit, indessen von oben
Wasserfälle herunterstürzten: blaue, dunkellila, schwarze.
Petersburg verkroch sich in die Nacht.
Ihre Schuhchen trippelten
Die Klingel ging immer wieder.
Aus dem Vorzimmer traten in den Saal engelhafte Wesen in hellblauen,
weißen, rosafarbigen Kleidern; sie schimmerten silbern, funkelten; fächelten
einander mit den Augen, mit den Fächern, mit dem leichten Seidenstoff an;
strömten eine wohltuende Atmosphäre aus von Veilchen, Maiglöckchen, Lilien,
Tuberosen; die weißmarmornen Schultern, noch überhaucht von leichtem
Puderstaub, sollten während einer Stunde rot werden, von feuchtem Dunst
überzogen; jetzt vor dem Tanzen schienen die Gesichtchen, die Schultern, die
mageren, nackten Arme noch blässer und magerer als sonst; um so stärker war
der Reiz dieser Geschöpfe, der nur in dem leisen Aufblitzen der Augen
unmerklich hervortrat, während sie, wie richtige Engelskindlein, sich in
farbigen, duftigen Mullwolken scharten; von dem Öffnen und Zumachen der
weißen Fächer entstand ein leichter Wind. Ihre Schuhchen trippelten.
Es war eigentlich gar kein Ball, den die Zukatows gaben; es war mehr ein
Kindertanzabend, an dem auch die Erwachsenen sich zu beteiligen wünschten;
die Kunde ging allerdings, daß auch Masken erscheinen würden.
Darüber wunderte sich Lubow Aleksejewna eigentlich ein wenig, denn es war
ja noch nicht die Zeit der Bälle; aber so waren schon einmal die Traditionen des
geliebten Gatten: wo es sich um Tanzen und Kinderlachen handelte, galt ihm der
Kalender nichts; der Gatte, der Eigentümer eines silberweißen Backenbartes,
wurde noch immer Koko genannt. In seinem tanzenden Heim hieß er natürlich
Nikolai Petrowitsch, das Oberhaupt der Familie und Vater zweier lieblicher
Töchter von achtzehn und fünfzehn Jahren.
Diese zwei lieblichen blonden Geschöpfe trugen heute duftige Kleidchen und
silberne Schuhchen. Seit neun Uhr schon fuchtelten sie mit ihren Fächern gegen den Vater, gegen die Wirtschafterin, gegen das Stubenmädchen, sogar . . . gegen