Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 43 von 103

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Petersburg

Ihre Schuhchen trippelten

»Bleiben gnädige Frau bei uns?«

»Ich? . . . Ich wohne im Hotel.«

 

Im zerfließenden Grau tauchten plötzlich matte, wie verwundert blickende

Punkte auf: Lichter, Lichtchen; Lichter, Lichtchen reihten sich aneinander und

sprangen dann als rötliche Flecken aus der Dunkelheit, indessen von oben

Wasserfälle herunterstürzten: blaue, dunkellila, schwarze.

Petersburg verkroch sich in die Nacht.

 

Ihre Schuhchen trippelten

 

Die Klingel ging immer wieder.

Aus dem Vorzimmer traten in den Saal engelhafte Wesen in hellblauen,

weißen, rosafarbigen Kleidern; sie schimmerten silbern, funkelten; fächelten

einander mit den Augen, mit den Fächern, mit dem leichten Seidenstoff an;

strömten eine wohltuende Atmosphäre aus von Veilchen, Maiglöckchen, Lilien,

Tuberosen; die weißmarmornen Schultern, noch überhaucht von leichtem

Puderstaub, sollten während einer Stunde rot werden, von feuchtem Dunst

überzogen; jetzt vor dem Tanzen schienen die Gesichtchen, die Schultern, die

mageren, nackten Arme noch blässer und magerer als sonst; um so stärker war

der Reiz dieser Geschöpfe, der nur in dem leisen Aufblitzen der Augen

unmerklich hervortrat, während sie, wie richtige Engelskindlein, sich in

farbigen, duftigen Mullwolken scharten; von dem Öffnen und Zumachen der

weißen Fächer entstand ein leichter Wind. Ihre Schuhchen trippelten.

Es war eigentlich gar kein Ball, den die Zukatows gaben; es war mehr ein

Kindertanzabend, an dem auch die Erwachsenen sich zu beteiligen wünschten;

die Kunde ging allerdings, daß auch Masken erscheinen würden.

Darüber wunderte sich Lubow Aleksejewna eigentlich ein wenig, denn es war

ja noch nicht die Zeit der Bälle; aber so waren schon einmal die Traditionen des

geliebten Gatten: wo es sich um Tanzen und Kinderlachen handelte, galt ihm der

Kalender nichts; der Gatte, der Eigentümer eines silberweißen Backenbartes,

wurde noch immer Koko genannt. In seinem tanzenden Heim hieß er natürlich

Nikolai Petrowitsch, das Oberhaupt der Familie und Vater zweier lieblicher

Töchter von achtzehn und fünfzehn Jahren.

Diese zwei lieblichen blonden Geschöpfe trugen heute duftige Kleidchen und

silberne Schuhchen. Seit neun Uhr schon fuchtelten sie mit ihren Fächern gegen den Vater, gegen die Wirtschafterin, gegen das Stubenmädchen, sogar . . . gegen