Petersburg
Die kalten Finger
Im Begriff, vor die Schar wartender Bittsteller zu treten, lächelte Apollon
Apollonowitsch; dieses Lächeln aber kaum aus Schüchternheit: was mochte nur
seiner hinter der Tür harren . . .
Apollon Apollonowitsch verbrachte sein Dasein zwischen zwei
Schreibtischen, zwischen dem seines eigenen Arbeitszimmers und dem des
Verwaltungsamtes. Ein dritter beliebter Ort war für ihn sein Wagen.
Und nun war er — schüchtern.
Schon ging die Tür auf; der Sekretär, ein junger Mann mit einem etwas liberal
über die Bruststärke hängenden Orden, flog der hohen Persönlichkeit entgegen,
und dabei knisterte ehrfurchtsvoll der überstärkte Rand seiner schneeweißen
Manschette. Auf seine schüchterne Frage brüllte ihn Apollon Apollonowitsch
an:
»Nein, nein! . . . Machen Sie so, wie ich gesagt habe . . .«
Die kalten Finger
Apollon Apollonowitsch Ableuchow im grauen Mantel und hohen schwarzen
Zylinder mit steinernem, an einen Briefbeschwerer mahnendem Gesicht, sprang
rasch aus dem Wagen und lief über die Stufen des Entresols, im Gehen den
schwarzen Wildlederhandschuh herunterstreifend.
Rasch trat er ins Vorzimmer. Der Zylinder wurde mit Vorsicht dem Lakai
überreicht. Mit derselben Vorsicht wurden Mantel, Portefeuille und Cachenez
übergeben.
Apollon Apollonowitsch stand vor dem Lakai in Nachdenken versunken;
plötzlich wandte er sich an ihn mit der Frage:
»Haben Sie die Freundlichkeit, mir zu sagen: kommt öfters hierher ein junger
Mann — ja: ein junger Mann?«
»Ein junger Mann?«
Verlegenes Schweigen: Apollon Apollonowitsch fand keine andere
Formulierung seines Gedankens. Der Lakai aber war nicht imstande, zu erraten,
von welchem jungen Mann der gnädige Herr sprach.
»Junge Leute, Exzellenz, kommen hierher selten . . .«
»Na, und . . . junge Leute mit Schnurrbärtchen?«
»Mit Schnurrbärtchen?«
»Mit schwarzen . . .«
»Mit schwarzen?«