Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 24 von 103

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Petersburg

Der rote Narr

Froschausdruck beim Lächeln, herrührend vom ununterbrochenen Spiel der

Gesichtszüge — hinter all dem verbarg jenes Gesicht sich für immer. Zu ihrem

Schrecken begriff dann Sofja Petrowna, daß sie verliebt war in jenes Gesicht;

nicht in dieses, wohl aber in jenes. Engel Peri hatte sich vorgenommen, eine

tadellose Gattin zu sein; und der Gedanke, daß sie, ihrem Gatten treu, von

jemand anderem gefesselt wurde, bedrückte sie gänzlich. Aber weiter nur,

weiter: über die Maske, den Froschmund, über die Grimassen hinweg, suchte

sie, unbewußt, ihre verlorene Verliebtheit zu retten: sie quälte Ableuchow,

überhäufte ihn mit Beleidigungen; doch heimlich vor sich selbst verfolgte sie

seine Spuren, suchte seine Wünsche und seinen Geschmack zu erraten, richtete

sich unbewußt nach ihnen, in der ewigen Hoffnung, wieder einmal jenes

eigentliche, göttliche Antlitz zu erblicken.

Seit dieser Zeit war ihr eigener Gatte nur Besucher in der kleinen Wohnung an

der Moika.

Dies konnte Sofja Petrowna nicht ertragen, denn sie hatte ja ein so winzig,

winzig kleines Stirnchen; und neben dem kleinen Stirnchen lebten in ihr Vulkane

tiefster Gefühle: denn sie war eine Dame; und man soll in einer Dame das Chaos

nicht wecken.

 

Der rote Narr

 

Eigentlich benahm sich Sofja Petrowna ihrem Gegenstand gegenüber in den

letzten Monaten höchst provozierend: vor dem Grammophon, aus dem

»Siegfrieds Tod« tönte, übte sie Körperplastik und hob dabei ihren rauschenden

Seidenrock fast bis zum Knie; ferner: ihr Füßchen berührte unter dem Tische

mehr als einmal Ableuchow. Nicht zu verwundern, daß dieser manchmal den

Engel zu umarmen versuchte; dann entwand sich ihm der Engel und übergoß ihn

mit Kälte. Bald darauf aber begann das Spiel von neuem. Einmal klatschte eine

Ohrfeige durchs japanische Zimmer: —, Uu — Scheusal, Frosch . . . Uuu —

roter Narr.

Ruhig und kühl erwiderte Nikolai Apollonowitsch:

»Bin ich ein roter Narr, so sind Sie — eine japanische Puppe . . .«

Vor der Tür richtete er sich voll Würde empor, in diesem Augenblick bekam

sein Gesicht den einmal gesehenen Ausdruck, und an diesen erinnert, erwachte

ihre Liebe jäh wieder; als Nikolai Apollonowitsch verschwunden war, warf sie

sich auf den Boden, biß und kratzte im Weinkrampf den Teppich; sprang dann plötzlich auf und streckte die Arme gegen die Tür: