Petersburg

Andrey Bely · Kapitel 48 von 103

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Petersburg

Pompadour

Nur einer sagte:

»Meine Herrschaften, es ist zuviel . . .«

 

Pompadour

 

Engel Peri stand vor dem etwas schräggehängten, ovalen Spiegel: alles lief in

ihm nach unten; die Zimmerdecke, die Wände, der Fußboden, und dort gleich

einer Fontäne von duftigen Gegenständen, aus dem Meerschaum, aus Spitzen

und Mull trat sie selbst hervor, eine Schönheit mit hochgewelltem Haar und

einem Schönheitspflästerchen auf der Wange: Madame Pompadour!

Und ihre Haare, ganz in Locken gedreht, nur leicht von einem Band gehalten,

waren wie Schnee; und fein waren die Fingerchen, die jetzt die Puderquaste

hielten; die schmale himmelblaue Taille war ein wenig nach links gebeugt, die

Hand hielt eine kleine schwarze Maske; aus dem engen, tiefausgeschnittenen

Mieder blickte, wie hauchüberzogen, atmend, lebendigen Perlen gleich, der

Busen; an den schmalen, seiderauschenden Ärmelchen wogten in Wellen

Valencienner Spitzen; Valencienner Spitzen wogten auch sonst überall, an dem

Ausschnitt, unter dem Ausschnitt; der Panierrock wiegte sich unter dem Mieder,

wie vom Windhauch getragen wiegte er sich, spielend mit Volants und

flimmernd mit der Silbergirlande der Festons; silberne Schuhchen an den Füßen

und jedes verziert mit einer Silberquaste. Aber seltsam: Sofja Petrowna sah in

ihrer Robe gealtert und weniger hübsch aus; statt des kleinen rosigen Mündchens

hoben sich die unschön abstehenden, allzu roten, allzu schweren Lippen vom

kleinen Gesichtchen ab; und als die Augen zu schielen begannen, zeigte

Madame Pompadour etwas Hexenhaftes: in diesem Augenblick steckte sie den

Brief hinter das Mieder.

Im selben Augenblick auch sprang Mawruscha herein und brachte einen Stab

aus hellem Holz mit goldenem Griff und flatternden Bändern; während aber

Madame Pompadour den Stab nahm, blieb in ihrer Hand ein Zettelchen zurück,

von ihrem Gatten; darauf stand: »Wenn Sie abends fortgehen, kehren Sie nicht

mehr in mein Haus zurück. Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin.«

Dieser Zettel war natürlich an Sofja Petrowna Lichutina, nicht an Madame

Pompadour, gerichtet; Madame Pompadour lächelte verächtlich; sie sah in den

Spiegel, in die Tiefe, in das matte Grün: dort weit, weit zogen leichte,

rauschende Wellen dahin; und aus dieser grünlichen, blassen Tiefe mit dem

grellen Fleck des roten Lampenschirms tauchte — plötzlich, ein Wachsgesicht

auf, und Sofja Petrowna drehte sich um.