Semmering 1912
Gespräch mit einer Baronin, Exzellenz-Frau, über Ihren Herrlichen Zwölfjährigen Sohn
GESPRÄCH MIT EINER BARONIN, EXZELLENZ-FRAU, ÜBER
IHREN HERRLICHEN ZWÖLFJÄHRIGEN SOHN
„Je crains déjà maintenant nuit et jour les femmes qui viendront plus tard
— — —!“
„Eh, madame, craignez donc les hommes qui viendront plutôt!“
ENTZWEIT
Oft sagte ich ihr, was mir an ihr nicht recht war — — —
ganz verzweifelt starrte sie mich mit bösem Blicke an.
Ein Abgrund öffnete sich, meine Liebe und ihre Freundschaft aufzunehmen.
Dunkel ward’s und kalt.
Hilflos ist die Frau in solchen Augenblicken, glaubt stets sich etwas zu
vergeben, falls sie milde wird, ergeben,
fällt der bangen Stunde hilflos stumm anheim.
Ich sagte: „Hörst du die Holzfäller, den Schwarzspecht, riechst du der
feuchten Wurzelstämme braunen Moder, siehst du die Bläue des letzten Enzians,
fühlst du meinen Schmerz?“
Sie sagte: „Mit solchen Reden wollen Sie mich versöhnen?!“
„Mit solchen Reden nicht, doch überhaupt. Und irgendetwas muß
gesprochen werden, sei’s dies, sei’s jenes. Vielleicht findet sich ein Wort
— — —. Es muß ein Wort einfach gefunden werden, das sich wie eine
Notbrücke von meiner Seele zu der deinen spannt!“
Und sie: „Siehst du, du bereust — — —.“
„Ja, ich bereue, daß meine Liebe größer als meine Sehnsucht, dich zu
bessern, ist!“