Semmering 1912

Peter Altenberg · Kapitel 134 von 152

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Semmering 1912

Noch Nicht Einmal Splitter von Gedanken

 

Dialog

„Sie haben erklärt, ich hätte die feinstmodellierten Nasenlöcher, die es

gäbe?! Das ist nicht sehr viel — — —.“

„Nein, es ist nur Edelrassigkeit!“

Extrakt eines Königinnenlebens:

„Die Königin fühlte sich am wohlsten, wenn sie bei einer edlen Zigarette,

mit Gräfin P. A. über ihr Lieblingsthema, die Krankenpflege, plaudern konnte.“

Die Philosophie:

Sie war die Lieblingsschülerin des berühmten alten Professors E. in Pr. Und

dennoch sagte sie: „Zu braunem Musselinkleide gehören eben unbedingt braune

Strümpfe, braune Schuhe, brauner Schirm!“ Dennoch?! Nein, deshalb!

Leben des Alternden

Immer bissiger und innerlich immer voller Tränen!

Leben des reichen Mädchens

„Ohne Beschäftigung könnte ich es nicht aushalten. Man muß es sich doch

beweisen, daß man auch ein Mensch ist!“

Es gibt Frauen, die von der Natur so luxuriös ausgestattet wurden, daß sie

sich den Luxus der Luxuslosigkeit erlauben dürfen! (Komtesse T...... W. E.).

Aus dem „Englischen“:

„Man sieht, wie wenig Gott von Geld hält, an den Leuten, die er damit

ausstattet!“

Aus dem „Wienerischen“:

„Sö haben gar ka Idee, wie unangenehm i werd’n kann, wann i will!“

„Versuchen Sie es einmal, es nicht zu wollen!“

Aus dem „Französischen“:

Um ganz Pariserisch zu sprechen, braucht man es nur ununterbrochen ganz

einfach innezuhaben, daß es vier e gibt, das e muet, das e grave, das e égu, das e

circonflexe, und sich danach zu richten! Aber das kann nur der geborene Pariser!

 

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Als ich dem jungen Offizier mitteilte, ich hielte ihn für den Typus des „Eroberers“ und beneidete ihn um sein Glück bei Frauen, erwiderte er:

„Schau’ns Peter, schau’ns, Glück gibt’s nicht! Die, bei denen man Glück hat, da

ist es doch kein Glück. Die hat man von selbst. Dort erst wäre es erst ein Glück,

wo man kein Glück hat. Und grad’ da hat man kein Glück!“

Das Geständnis auf dem Sterbebett.

28./8. 1912.

Aus Nyiregyhaza wird gemeldet: Das Mitglied des Munizipalrates und

Direktor der Volksbank Anton F. wurde verhaftet. Seine Frau hat auf ihrem

Sterbebette gestanden, daß er vor vier Jahren ein Haus in Brand gesteckt habe,

um die Versicherungssumme zu erhalten für ihren Sommeraufenthalt!

Konklusion: Weihe deine Frau in nichts ein, sie könnte aus Rache oder

religiösem Bedenken oder aus allgemeiner Stupidität dich verraten!

 

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Moderne Gemäldegalerie der Armen: Farbiger Kunstdruck der „Jugend“,

50-25 Zentimeter, Emil Hoess: Rehe. Text von P. A.: „Es gibt Menschen, die sich

an der Anmut dieser edlen Tiere berauschen! Es gibt Menschen, die der

Leidenschaft der Jagd ergeben sind! Es gibt Menschen, die, ohne Rausch und

Leidenschaft, gern Rehrücken mit Sauce Cumberland fressen! Es gibt Dichter,

Don Juans und normale Männer!“

 

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Nur mit dir, Geliebte, hat das Leben für mich noch einen Reiz, aber ohne

dich hat es noch mehr Reiz!

 

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Sie bewunderten sich gegenseitig — — — da war es ein Mißton! Sie

bewunderten gemeinsam einen Schildkröt-Schirmgriff — — — da war es ein

Akkord!

 

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„Haben Sie mich noch gern?!“ fragt sie immer innerlich nach der ersten

Umarmung. Weshalb fragt der herrliche Idiot nie: „Haben Sie mich noch gern?!“

 

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Schamgefühl ist „ein Schutz für Unzulänglichkeiten“. Man verbirgt, was zu

verbergen ist! Treue ist auch ein Schutz. Wenn ich nur wüßte, wogegen?! Ah, ja,

gegen die Gefahren der Treulosigkeit!

 

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Essen, um das Vergnügen zu haben, zu essen! Hungern, um das Vergnügen

zu haben, zu essen! Hungern, um das Vergnügen zu haben, zu hungern!

Philister, Lebenskünstler, Dichter!

 

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Es gibt kein laues Bad von 27 Grad und keine gute Kernseife, die nicht jede

Sünde der Frau hinwegwüschen!

 

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Eine Frau, der ich ihr Alles bin — — — pfui Teufel!

 

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Sie sagte: „Nie, nie, nie, werde ich Ihnen genug dankbar sein können!“

„Oh ja, Fräulein, wenn Sie mich Ihre Achselhöhlen küssen lassen!“

 

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Das Schrecklichste ist, irgendeinen pathologischen Zustand, wie Rausch

oder Eifersucht, nicht „ausschlafen“ zu können! Denn dazu ist ja der Schlaf da,

daß man wieder „zur Besinnung“ komme, daß man „ein Vieh war“!

 

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Schlaf ist der Verzeiher aller Sünden, die man dem armen Körper antut!

Man darf daher nicht mehr Sünden begehen als man Schlaf hat! Einige Sünden

jedoch lassen sich nicht „ausschlafen“, z. B. zähes Fleisch mit Kohl. Auch die

„Sünde der Faulheit“ läßt sich schwer ausschlafen. Je mehr man begeht, desto

schläfriger wird man!

 

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Es gibt zwei Sorten moderner Musiker — — — die Ehrlichen, das sind die,

die den Richard Wagner bestehlen! Und die Unehrlichen, das sind die, die

originell sind!

 

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Es gibt Dinge, die man nicht „modernisieren“ kann, z. B. den Kuckuckruf.

Oh ja, man macht ein Rabengekrächze und nennt es „Kuckuckruf“!

 

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„Der gute alte Richard Wagner“, sagen schon manche Vorge-trottelten!

 

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Mit 82 Jahren ist man mit dem Tode schon so befreundet, daß er einem die

unangenehmsten Wahrheiten ungeniert ins Gesicht sagt!

 

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Ein Gymnasialdirektor sagte zu jedem Abiturienten beim Abschiede:

„Werden Sie General!“ Er meinte, in jedem Berufe könne man es zum General

bringen!

 

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Es war direkt interessant, wie völlig uninteressant die Dame war!

 

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Es gibt keinen größeren Idealismus als den einer zärtlich liebevollen Mama.

Selbst eine unangenehme Erkenntnis hat bei ihr noch die Gloriole von roten

Herzbluttropfen!

 

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Millionäre trösten uns immer damit, man könne sich auch an Austern

„überessen“. Aber in diesen Zustand eben einmal zu gelangen, ist ja das Glück!

 

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Ich fahre lieber in einem gefährlichen Automobil als in einem

ungefährlichen Omnibus.

 

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Man ist häufig genötigt, in der guten Gesellschaft das Wort „entzückend“

auszusprechen. Ich habe daher im Tonfall dabei bereits so viele Nuancen mir

zurechtgelegt, daß eine Dame mir einmal, als ich etwas „entzückend“ fand,

sagte: „Sie grober unverschämter Kerl! So ekelhaft ist es ja doch nicht, wie Sie

es finden!“

 

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Als der Kutscher uns liebenswürdig die Gegend erklärte, notierte ich bei

jedem Bergnamen zehn Heller Trinkgeld. Als er die „Hohe Veitsch“ nannte,

waren es bereits theoretisch 3 Kronen 70. Wir rundeten es auf 1 Krone 50 ab!

 

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Die Art deines Gehens, o Fraue, wenn du eine Hoteltreppe langsam hinauf-,

langsam heruntersteigst, ist bereits dein „Biografical essay“, eine Offenbarung

deiner wirklichen untrüglichen Werte!

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Ich sah sie im Speisesaal eine Zigarette rauchen und war entzückt. Ich

wußte noch gar nicht, was und wie sie sprechen würde. Sie hätte ewig schweigen

dürfen, sitzen, rauchen, blicken — — —.

 

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Das, was die Menschen uns nicht vortäuschen können, nicht vortäuschen

wollen, das sind sie! Ich habe Kinder gesehen, bei denen das „Nießen“ sogar

entzückend war!

 

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Man kann auch elegant zanken, elegant verzweifelt sein, man kann elegant

langweilig sein, und sogar elegant ungezogen! Aber das ist das schwerste!

 

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Sie bezahlte Champagner und beleidigte mich durch die Art, wie sie es tat!

Ich zahlte Champagner, und sie versöhnte mich durch die Art, wie sie es

annahm!

 

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Eine Dame sagte: „Ich bitte, Herr Peter, welches ist das idealste

Mundwasser?!“

„Ein idealer Zahnarzt! Denn dann braucht man gar kein Mundwasser, ja

nicht einmal eine Zahnbürste!“

 

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Der Luxus der Frauen steht theoretisch im umgekehrten Verhältnis zur

Vollkommenheit ihres Leibes! Dem Leinenkleide für 25 Kronen entspricht der

Leib der Pauline Bonaparte! Eine Dame sagte zu mir: „Diese blöden teuren

Fetzen! Mich müssen’s nackert sehen! Dö Sachen verschandeln einen ja nur!“

 

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Wenn ein Blumenmädchen in einem Vergnügungslokale an deinen Tisch

tritt, dir für deine Dame eine Rose anzubieten, so muß die Dame sofort erklären,

daß sie keine wünsche. Sonst macht sie sich ebenfalls einer Erpressung schuldig!

 

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Wenn in einem Geschäfte eine Kundschaft nach einer Ware sich erkundigt,

die nicht vorhanden ist, so haben die Verkäufer nicht stolz-abweisend zu erklären: „Nein, das führen wir nicht — — —!“, sondern zerknirscht-reuevoll.

 

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Weshalb erhält man bei uns hölzerne Fußschemel nur in den

Spielereihandlungen, während die Geschäfte für Kücheneinrichtungen sich

beharrlich sträuben, dieselben zu führen?! Fußschemel sind keine Spielerei, und

in der Küche braucht man Schemel — — —. Das sind unergründliche

Geheimnisse der Geschäftswelt!

 

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In Berlin kann man von März bis Oktober die riesigen

Spiegelscheibenfenster in die Keller hinablassen, und man sitzt im Lokal

gleichsam im Freien in guter Luft. Bei uns kann man das nicht. Wundert Sie

das?! Mich nicht!

 

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Unsere Auslage-Arrangeure wollen immer so viel als möglich vom Lager

hinauszwängen, während gerade ein einzelnes, besonderes Stück die ganze

Führung des Geschäftes, seinen Geist bereits dokumentierte!

 

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Die Klosettfrauen sollten gezwungen werden, lose, einzelne Seifenblätter

zu verkaufen. Die gemeinsame Seife erinnert fast an ein „gemeinsames

Zahnbürstchen“!

 

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Alle Menschen leben „über ihre Verhältnisse“, über ihre ökonomischen,

sexuellen und vor allem über die ihres Verdauungsapparates! Daher ihre ewige

Reizbarkeit und Unduldsamkeit. Irgend etwas bedrückt sie!

 

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Ich sagte einst einem befreundeten jungen Restaurateur in G.: „Vor allem

nimm jede nicht konvenierende Speise zurück, selbst im Falle einer krassen

Ungerechtigkeit. Du machst immer noch das bessere Geschäft, wenn du dieses

eine Mal bei dem Hundskerl draufzahlst. Sonst redet er dir noch Hunderte ab!“

 

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In den gutgehenden Geschäften sind die Bedienenden nervös, weil zu viel

zu tun ist, und in den schlechtgehenden, weil zu wenig zu tun ist!

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Wenn ein Zyniker in der Gesellschaft von Damen zynisch ist, so ist er es

nur, weil alle diese Damen ihm keinerlei Hochachtung einflößen. Ich kann mir

einen jeden Zyniker denken, der vor einer „innerlichen Kaiserin des Daseins“

verstummte! Tut er es aber auch in diesem Falle nicht, dann ist er ein Zyniker!

 

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„Ich verehre Euch, Meister Altenberg, seit Jahren. Aber wozu die Worte?!

Ich möchte Euer letztes Werk erstehen. Was kostet es?!“

„Fünf Kronen.“

„Für drei Kronen würde ich es nehmen — — —. Aber eine schöne

„persönliche Widmung“ erbitte ich mir natürlich!“

Ich schrieb eine persönliche Widmung: „Sie haben mir zwei Kronen

abgehandelt, ich habe es mir abhandeln lassen; jetzt wissen Sie, was an Ihnen

und an mir ist!“

 

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3jähriger Wahrheitsfanatiker, aus dem noch was werden kann:

„Wen hast du denn besonders lieb, Bubi?! Die Mama?!“

„Nicht besonders — — —.“

„Dein Schwesterchen?!“

„Nicht besonders — — —.“

„Wen also hast du besonders lieb?!“

„Die Schokolade!“

 

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Liebesbrief:

„Oh, ich habe ein so grenzenloses Vertrauen zu Ihnen, daß ich es auch dann

nicht verlieren könnte, wenn Sie es mißbrauchen würden!“

 

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Höchstes Lob (Frau Dr. Eugenie Schw.):

„Mein lieber Peter Altenberg, mit keinem der sogenannten „Modernen“

könnten Sie sich vertragen! Mit Gottfried Keller hätten Sie sich vertragen,

obzwar Ihr von früh bis abend erbittert gestritten hättet!“

Ausspruch:

„Wissen’s, bei uns in der Hofoper, ich mein’ beim Ballet, teilen wir die

Künstlerinnen, Sängerinnen, natürlich nicht ein nach dem, was sie können, das is

uns Tänzerinnen doch ganz egal, sondern nach dem, ob sie „betamt“ (liebenswürdig-menschenfreundlich) oder „unbetamt“ sind! Die Jüdinnen also

sind alle unbetamt natürlich, aber es gibt sogar unbetamte Christinnen bei uns!

Und die sind noch ärger!“

 

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Für 500 Kronen Honorar erklären dir die Ärzte, du habest „eine leichte

Blutzirkulationsstörung“. Es sei nichts von Bedeutung. Für drei Kronen erklären

sie dir, es sei ein leichter Schlaganfall. Die Hauptsache wäre, er solle sich ja

nicht wiederholen!

 

✶

 

Ein genialer Arzt verlor seine Stelle und erschoß sich, weil er sich jungen

Patientinnen gegenüber schamlos benommen hatte. Sie fragen mich, was ich

über den Fall dächte?! Ich rechne mir es aus: 57 Patientinnen in ihrer „Ehre“

gekränkt, 57 Tausend durch den Verlust des genialen Arztes effektiv geschädigt!

 

✶

 

„O, Herr von Altenberg, wie geht es Ihnen?! Noch immer nicht

verheiratet?! Woran arbeiten Sie jetzt momentan?! Schwärmen Sie noch immer

für schöne schlanke 15-Jährige?! Und überhaupt, was gibt es Neues in Ihrem

reichbewegten Leben?!“

„Genehmigt!“ erwiderte ich gelassen und entfernte mich.

 

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Jemand sagte zu mir (jeden Tag ist es ein anderer): „Sie sind der

glücklichste Mensch! Sie haben keine Bedürfnisse!“

„Nein, ich habe keinerlei Bedürfnis, Bedürfnisse zu haben, die ich ja doch

nicht befriedigen kann!“

 

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Die Forelle, der Hecht sind gefährliche, ewig auf der Raublauer liegende

Tiere. Aber man fängt sie geschickt mit irgendeinem Köder. Bei Frauen macht

man es aber ungeschickt. Meistens reißen sie sich los und verspeisen nur den

Köder!

 

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Die Prinzessin sagte: „Man macht dem Sudermann immer den Vorwurf, daß

er theatralisch sei. Das finde ich ungerecht. Wenn man das meinem Cousin, dem

Louis Liechtenstein, nachsagen dürfte, so wäre es gerecht. Denn der hat’s nicht nötig. Aber der arme Sudermann, der ist doch dazu da, theatralisch zu sein!“

 

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Ich sandte dem herrlichen 11jährigen Kinde Margit Kr. einen

selbstgebundenen Strauß von hellblauen Skabiosen und gelben Teerosen. Die

Mama sandte den Strauß zurück mit dem Bemerken, ihr Töchterchen sei noch

minderjährig. Ich schrieb: „Gnädige Frau, wann erfolgt die

Volljährigkeitserklärung für Schönheit und Anmut?! Gott, Jesus Christus und die

Dichter verstehen nichts von Kalenderberechnung!“

 

✶

 

Das mystisch schöne Kind hatte eine unschöne Mama. Alle Damen sagten

zu mir: „Sie wird der Mutter nachgeraten!“ Endlich kam der wunderbare Vater

an, wie ein Sieger-Torero. „Für einen Mann ist er viel, viel zu schön!“ sagten alle

Damen. „Nun und das Kind?!“ sagte ich. „Weshalb soll es gerade ihm

nachgeraten?! Weil Sie es sich erwünschen?!?“ Bestien!

 

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Je lustiger, je übermütiger die Geliebte, desto verstimmter der Geliebte.

Alles geht auf seine Kosten, Unkosten. Aber manche Männer nehmen regen

Anteil — — — an diesem Diebstahl vor ihren Augen! Amüsement ist

„Ablenkung des Herzens!“ Gutmütigkeit des Mannes — — — verbrecherischer

Idiotismus!

 

✶

 

Was nützt es dir, o Jüngling, daß du mit Sorgfalt und Geschmack ein Bukett

zusammenstellest aus herrlichen Bergblumen und Gartenrosen?! Die Dame

fühlt: „Die Bergblumen kosten nichts, und die sieben Rosen je eine Krone!“

 

✶

 

Nur Juden haben die Ungezogenheit, mich zu fragen, weshalb ich stets an

dickem, grünem, seidenem Kordon zwei herrliche Automobilpfeifen, Sirenen,

trage!? Christen fragen das nie. Sie denken gleich: „Weil er ein Narr ist!“ Die

Juden lassen sich durch die Frage noch wenigstens die Hoffnung offen!

 

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Mein Gehirn hat Wichtigeres zu leisten als darüber nachzudenken, was

Bernard Shaw mir zu verbergen wünscht, indem er mir es mitteilt!

 

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Die modernen Damen verlängern sich die Fingernägel statt des Gehirnes.

Das erstere scheint leichter zu sein!

 

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Die Männer suchen ihre Damen von 8 Uhr morgens bis 11 Uhr nachts bei

guter Laune zu erhalten! Wahrscheinlich wegen der übrigen Stunden!

 

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Körperliche Vollkommenheit verpflichtet zu jeder anderen, geistig-

seelischen Vollkommenheit! Aber glücklich die, die zu dieser Verpflichtung

verpflichtet sind!

 

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Ein runder Rücken ist nicht nur ein runder Rücken. Es bedeutet auch einen

flachen Brustkasten!

 

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Weshalb dieses unintelligente Sträuben gegen Nährmittelpräparate wie

„Sanatogen“?! Jedenfalls wird es euch mehr nützen als Rostbratl mit

Erdäpfelsalat! Ihr fürchtet euch vor zu viel Kräften?! Na ja, ihr müßt es ja

wissen, wofür ihr sie dann doch nur verwendet!

 

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Nährmittel haben zur Voraussetzung „eine ganze verfeinerte Kultur“. Sonst

bleibe man bei dem a la Hunnen auf dem Sattel weichgerittenen Roastbeef!

 

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Ich habe gelesen: Den Engländern fehlen leider zwei Sachen: Sinn für

„feine zarte Küche“ und Sinn für „feine zarte Musik“. Jetzt weiß ich, weshalb sie

die Welt unterjocht, viel Geld und viel Ehre gemacht haben!

 

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„Ich habe meinen Gatten lieb, weil er mich reich ausstattet! Ich habe

meinen Geliebten lieb, obwohl er mich nicht reich ausstattet! Wie lieb hätte ich

erst einen Geliebten, der mich reich ausstattet! Aber das gibt es ja gar nicht; der

hat das doch nicht nötig, das wäre ja ein idiotischer Verschwender, den man

unter Kuratel setzen müßte!“

 

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„Ich denk’ über so viele Sachen nach, Gustav, und da werd’ ich ganz blöd.

Wann ich einmal gar nicht nachdenk’, und was ganz Blödes sag’, dann sagen die

Leut’, daß es riesig g’scheit is. Aber unbewußt sagen sie. Das heißt also, daß es

doch blöd is, nicht, Gustav?!“ „Dummerl!“ sagte Gustav, das heißt:

„Gscheidterl!“

 

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Die 5jährige Edith sagte abends beim Abschiede zu mir: „Also wann, wann,

wann — — —?!“

Da ergänzte die Mutter: „werden Sie morgen wiederkommen?!“

„Aber geh’, Mutti, das weiß er ja, was ich gemeint hab’!“

 

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Je tiefer die seelische Liebe der Frau, desto geringer ihre „physiologische“

Erregbarkeit. Das scheint schauerlich paradox zu sein! Die „Liebe“ verteilt ihre

Erregung auf den Gesamtorganismus, während minderwertige Gefühle nicht

diese Kraft haben, sondern sich lokalisieren!

 

✶

 

In jeder schönen Frau, in jeder wohlgestalteten, steckt die „Hure“. Sie kann

nicht anders als Tag und Nacht von dem Gefühle gereizt, gekitzelt, erregt zu

werden als dem: „Ich könnte jeden Mann selig machen, ihn in die letzten

Räusche bringen!“ Eine Frau von diesem Weltenempfinden weg auf sich

konzentrieren wollen und können, ist das Wesen der glücklichen Liebe! Ich

bezweifle, daß es bei einer wirklich vollkommen schönen Frau gelinge! Aber wie

viel solcher gibt es?! Also gibt es doch viele „glückliche Liebende“. Und dann:

die Frau rechnet mit ihrem allmählichen „schäbig-werden“. Das vermehrt die

Chancen der — — — Idioten! Übrigens gibt es noch die sogenannte „gute

Erziehung“. Ja, die Idioten haben Chancen!

 

✶

 

„Ich bin gewitzigt“, heißt: „Ich bin gewitzigt über die Dinge, über die ich

gewitzigt bin. Aber über die Dinge, über die ich noch nicht gewitzigt bin, über

die bin ich noch nicht gewitzigt!“

 

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Kinder rupfen zarten Insekten ihre überzarten Flügel aus. So machen es

Erwachsene den Dichtern!

 

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„Sie reizen uns unnötig auf mit Ihren anarchistischen Theorien!“ sagte eine

junge Dame zu mir.

Wie würde ich es erst tun, wenn ich es für nötig hielte!

 

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„Woher nehmen Sie ununterbrochen Ihre Begeisterung für Frauen, Kinder,

die Natur?!“ sagte jemand zu mir.

„Von Abführmitteln! Tamar Indien Grillon! Von meiner ‚inneren

Unbeschwertheit‘!“

„Sie scherzen!“

„Gewiß. Denn Sie würden davon nur Diarrhöen kriegen!“

 

✶

 

„Wir sind eben noch keine „chemischen Retorten! Schauen Sie doch die

„Roßknödel“ an auf der Straße, woraus das Pferd seine ganze riesige Kraft

gezogen hat!?“

„Ja, es ist eine wahre Roßnatur!“

 

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„Was verstehen Sie eigentlich unter „Kunst“?!“ sagte ein Herr um

Mitternacht, bei Champagner, zu mir.

„Da müssen Sie noch ein bisserl was bar draufzahlen, wenn ich Ihnen die

Frag’ jetzt beantworten soll!“

 

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Wenn jemand magenkrank ist, so muß ein moderner Arzt ihn sogar fragen:

„Haben Sie mit Ihrer Wäscherin nie so „leichte Konflikte“, oder verkehren Sie

nicht mit ärmeren Leuten als Sie sind, oder schläft Ihre Geliebte nicht gern bei

anderen?!“ Solche Kleinigkeiten schon können einen überempfindlichen

Organismus aus dem sogenannten physiologischen Gleichgewichte bringen.

 

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Was du nicht willst, daß man dir tut,

das tu’ geschwind den andern an,

denn sie tun dir’s jedenfalls an!

 

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Jeder „Sport“ macht aus der romantischen Natur eine Zirkusmanege!

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Musik ist: wie wenn die Seele plötzlich in einer fremden Sprache ihre

eigene spräche!

 

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